Zentrum der Gesundheit
  • Ein Mann hat Herzkreislaufprobleme
7 min

Diese Ursache für Herzkreislaufkrankheiten kennt kaum jemand

Bekannte Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen sind Bluthochdruck, Rauchen, Diabetes, ein hoher Cholesterinspiegel und Übergewicht. Aber es gibt noch eine andere Ursache, an die kaum jemand denkt.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Aktualisiert: 12 September 2023

Kostenlosen Newsletter abonnieren

Mit Ihrer Anmeldung erlauben Sie die regelmässige Zusendung des Newsletters und akzeptieren die Bestimmungen zum Datenschutz.

Ursache für Herzkreislauferkrankungen

Immer wieder erleiden Menschen einen Herzinfarkt, obwohl sie gar nicht zur typischen Risikogruppe zählen. Sie haben keinen Bluthochdruck, keinen erhöhten Cholesterinspiegel, normale Blutzuckerwerte, sind normalgewichtig und rauchen und trinken auch nicht. Wie aber kann es dann zu einer Herzkreislauferkrankung, wie der Arteriosklerose kommen?

Chronische Entzündungen

Manche Forscher bezeichnen die Arteriosklerose inzwischen als chronisch entzündliche Krankheit der Arterien. Bei einer Arteriosklerose kommt es zu verdickten und versteiften Gefäßwänden, weil sich dort fett- und kalkhaltige Ablagerungen bilden. Wenn dies in den feinen Herzkranzgefäßen geschieht, die das Herz mit sauerstoffreichem Blut versorgen, dann spricht man von der koronaren Herzkrankheit. Typische Symptome sind Kurzatmigkeit und ein Gefühl der Brustenge (Angina pectoris).

Wenn es nun in einem oder mehreren Gefäßen zu einem völligen Verschluss kommt, dann kann dies zu einem Herzinfarkt führen. Sind Gefäße betroffen, die das Gehirn versorgen (z. B. eine Halsschlagader oder andere hirnversorgende Gefäße), kann ein Schlaganfall die Folge sein.

So entstehen Entzündungen in den Arterien

Wie kommt es zu den chronisch entzündlichen Prozessen in den Gefäßen ( 1 )? Es muss zunächst zu einer Art Verletzung in der Innenwand der Blutgefäße kommen – im sog. Endothel. Diese Wand besteht nur aus einer einzelligen Schicht, ist also sehr dünn. Ursachen einer solchen Verletzung kann der häufige Kontakt mit oxidiertem Cholesterin darstellen, aber auch der Kontakt mit Giftstoffen, ob aus Tabak, Umweltgiften, Pestiziden oder schädlichen Stoffwechselabfallprodukten aus ungesunder Ernährung.

Die verletzten Endothelzellen schütten nun Botenstoffe fürs Immunsystem aus, damit dieses weiße Blutzellen zur Hilfe senden möge. Die weißen Blutzellen wandern in die Gefäßwand ein, nehmen (falls vorhanden) überschüssiges Cholesterin auf und lösen dort (ob mit oder ohne Cholesterin) entzündliche Prozesse aus.

Es kommt zur Bildung sog. Fatty Streaks – streifenförmige gelbliche Ablagerungen, die auch schon in der Kindheit auftreten können und als Frühstadium der Arteriosklerose gelten, aber wenn die Ursachen behoben werden, auch wieder reversibel sind. Denn auch die zunächst entstehenden entzündlichen Prozesse sind erst einmal nicht schlecht, sondern sind im Akutfall wichtig, um überhaupt erst eine Heilung möglich zu machen.

Problematisch wird es nur, wenn die Ursachen der Arterienverletzungen nicht abgestellt werden und ständig – über Jahre oder sogar Jahrzehnte hinweg – schädliche Stoffe mit dem Blut durch die Gefäße zirkulieren. Der Entzündungsprozess wird nun chronisch und aus den zunächst harmlosen Fatty Streaks werden handfeste Ablagerungen, die kaum noch zurückgebildet werden können.

Chronisch entzündliche Erkrankungen fördern Entzündungen in den Arterien

Liegen bei Ihnen chronisch entzündliche Erkrankungen vor, wie z. B. Morbus Crohn, Rheuma oder Psoriasis, dann können sich diese Entzündungen auch auf das Gefäßsystem auswirken, so dass Ihr Herzkreislauf-Risiko erhöht ist ( 3 )( 4 )( 5 ). In diesem Fall liegt der Fokus der Therapie natürlich auf der entsprechenden Krankheit.

Unter den jeweiligen vorigen Links finden Sie naturheilkundliche Maßnahmen für jede dieser Krankheiten. Für Rheuma- und Psoriasis-Betroffene sowie für Menschen mit Bluthochdruck oder auch für jene, die abnehmen möchten/müssen, haben wir bereits konkrete Ernährungspläne mit entzündungshemmender Wirkung entwickelt.

Mit diesem Wert chronische Entzündungen entlarven

Da sich ein chronisch entzündlicher Prozess oft schleichend und ohne Warnung vollzieht, merkt man davon nichts. Dies kann besonders dann problematisch sein, wenn die üblichen Risikofaktoren nicht vorhanden sind. Wer also beispielsweise, wie oben erklärt, nicht raucht, nicht trinkt, keinen Bluthochdruck hat und auch normalgewichtig ist, glaubt, er oder sie sei gesund und ist sich seines möglicherweise erhöhten Herzkreislauf-Risikos gar nicht bewusst.

Mit Hilfe des sog. hs-CRP-Werts kann man jedoch den Grad dieser chronischen Entzündungsprozesse im Körper feststellen. Wenn der Wert erhöht ist, kann ein erhöhtes Risiko für Herzkreislauferkrankungen vorliegen – besonders wenn der erhöhte Wert mit einem erhöhten LDL-Cholesterinspiegel kombiniert ist.

Niedriger hs-CRP-Wert bedeutet niedriges Herzkreislauf-Risiko

In einer großen Studie ( 2 ) gab man Patienten, die einen erhöhten hs-CRP-Wert und auch bereits einen Herzinfarkt hatten, das Medikament Canakinumab. Dabei handelt es sich um einen sog. humanen monoklonalen Antikörper, der sich gegen entzündungsfördernde Botenstoffe richtet, also Entzündungsprozesse unterdrückt. Der hs-CRP-Wert sank und die Zahl nachfolgender Herzinfarkte wurde signifikant gesenkt.

Da das Medikament aber auch ein Immunsuppressivum ist, also die Abwehrkraft des Immunsystems drosselt, kam es zu erheblichen Nebenwirkungen, nämlich einem erhöhten Risiko für Infektionen. Zu allem Überfluss ist das Mittel auch sehr teuer, so dass es als Therapeutikum eher nicht in Frage kommt. Doch zeigte die Studie, wie wichtig es ist, die unbemerkt vorhandene chronische Entzündung im Körper zu drosseln, um damit (weitere) Infarkte zu verhindern.

Nun wird geprüft, ob nicht andere – preiswertere – Medikamente die Entzündung und damit das Fortschreiten der Arteriosklerose ebenfalls reduzieren könnten, wie Colchicin oder Methotrexat. Letzteres ist ein Mittel, das in der Therapie von Erkrankungen eingesetzt wird, die mit starken Entzündungsprozessen einhergehen, etwa bei Rheuma, Morbus Crohn und schwerer Schuppenflechte sowie etlichen anderen Autoimmunerkrankungen, aber auch bei Krebs.

Wie stark drosselnd sich jedoch auch dieses Mittel auf das Immunsystem auswirkt, zeigt die Tatsache, dass es auch als Immunsuppressivum nach Organtransplantationen eingesetzt wird (um das Immunsystem so herunterzufahren, damit es das fremde Organ nicht abstößt).

Entzündungen ohne Medikamente reduzieren

Der medikamentöse Weg zur Entzündungshemmung ist also stets mit Nebenwirkungen behaftet. Man tauscht das eine Risiko gegen ein anderes aus. Chronische Entzündungen lassen sich jedoch auch sehr gut ohne Medikamente in den Griff bekommen. Denn nahezu alles, was wir tun, essen oder trinken, wirkt entweder entzündungshemmend oder entzündungsfördernd.

Ein bewusster Lebensstil kann daher die riskanten chronischen Entzündungsprozesse ganz ohne Nebenwirkungen reduzieren. Man meidet entzündungsfördernde Lebensmittel, Getränke und Gewohnheiten und konzentriert sich stattdessen auf entzündungshemmende Lebensmittel, Getränke und Gewohnheiten.

Entzündungshemmend essen

Je natürlicher Sie essen, um so stärker entzündungshemmend wirkt Ihre Ernährung: Bereiten Sie daher Ihre Mahlzeiten aus frischen Zutaten selbst zu. Unsere annähernd 2300 gesunden pflanzenbasierten Rezepte helfen Ihnen dabei!

  1. Essen Sie mehr Gemüse und Salate, mehr Nüsse und Hülsenfrüchte und wählen Sie Vollkorn statt Weißmehl.
  2. Würzen Sie mit entzündungshemmenden Gewürzen (Kurkuma, Ingwer, Borretsch, Rosmarin, Salbei, Brennnessel ( 6 )) und reduzieren Sie Ihren Salzverbrauch.
  3. Essen Sie weniger tierische Produkte, insbesondere weniger Vollfett-Milchprodukte, Fleisch und Wurst ( 6 ).
  4. Trinken Sie warmes Wasser und Kräutertees statt Softdrinks, Säfte und anderen Fertiggetränken.
  5. Trinken Sie – wenn überhaupt – nur sehr wenig Alkohol. Meiden Sie stark verarbeitete Fertigprodukte und zucker- und fettreiche Süßigkeiten inkl. Kuchen/Torten.

Entzündungshemmende Öle

Als entzündungsfördernd gelten Öle mit hohem Omega-6-Gehalt, wie Sonnenblumenöl, Maiskeimöl, Distelöl, Traubenkernöl. Verwenden Sie diese Öle nicht mehr oder nur selten.

Stattdessen ist Olivenöl ein ideales Öl. Zum Braten ist auch High-Oleic Sonnenblumenöl möglich, das aus einer Omega-6-armen Sonnenblumenart gewonnen wird und häufig einfach nur „Bratöl“ heißt. Für Rohkost verwenden Sie ein hochwertiges Olivenöl oder auch Hanföl.

Entzündungshemmende Nahrungsergänzungsmittel

Ergänzen Sie Ihre Ernährung mit konkret entzündungshemmenden Nahrungsergänzungsmitteln. Diese werden je nach Bedarf und abhängig davon ausgewählt, ob Sie bereits eine Erkrankung haben oder nicht. Auf der einen Seite sollten jene Vitalstoffe eingenommen werden, die bei Ihnen mangelhaft vorkommen (daher erst Vitalstoffstatus überprüfen lassen).

Auf der anderen Seite können Nahrungsergänzungen genutzt werden, die gezielt und auch prophylaktisch Entzündungen bekämpfen, z. B. Curcumin, Omega-3-Fettsäuren, Resveratrol, OPC und Sulforaphan. Liegen bereits chronisch entzündliche Erkrankungen vor, könnten auch Weihrauchpräparate, MSM oder Präparate mit Teufelskralle oder Katzenkralle eingesetzt werden.

Bauchfett reduzieren

Selbst wenn Sie (angezogen) schlank wirken, kann es sein, dass Sie „ein Bäuchlein“ haben. Wenn dies der Fall ist, sollte es reduziert werden, da Bauchfett als Quelle für entzündungsfördernde Botenstoffe gilt. Das heißt nicht, dass Sie als schlanker Mensch mit Bäuchlein unbedingt abnehmen müssten. Hier ist es oft wichtiger, die Ernährung umzustellen und ein gutes Training umzusetzen.

Stress reduzieren

Stress wird nach wie vor in seiner schädlichen Wirkung auf den Organismus unterschätzt. Gehören Sie auch zu den Gestressten, die von Stressmanagement nichts wissen möchten? Stress wirkt jedoch direkt entzündungsfördernd.

Stress nährt die gefährlichen subtilen chronischen Entzündungsprozesse, weshalb enorm wichtig ist, Stress zu reduzieren, wobei auch Adaptogene, wie z. B. Ashwagandha oder Rhodiola mit eingesetzt werden können – Heilpflanzen, die die schädliche Stresswirkung auf den Organismus reduzieren.

Bewegungsmangel beheben

Bewegung wirkt entzündungshemmend und hilft natürlich auch bei der Stressreduktion sowie beim Abbau von Bauchfett. Wenn Ihnen sportliche Aktivitäten schwer fallen, melden Sie sich im Fitnessstudio an und machen dort in den Gruppenaktivitäten mit.

Dies macht vielen Menschen mehr Spaß als das alleinige Trainieren im Kraftraum. Man motiviert sich auch gegenseitig z. B. über Whatsapp-Gruppen zum Kommen, so dass man sich schon freut, mit den anderen zusammen aktiv zu werden und es natürlich auch auffällt, wenn man nicht erscheint.

(Sollten bei Ihnen auch die üblichen Risikofaktoren vorliegen (Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhter Cholesterinspiegel, Rauchen etc.), so müssen natürlich auch diese in Angriff genommen werden. Geben Sie dazu einfach die entsprechenden Begriffe in unsere Suche. Sie erhalten dann viele ganzheitliche und naturheilkundliche Tipps, die Ihnen helfen, die genannten chronischen Beschwerden zu lindern oder zu beheben.)

🌟 Bewerten Sie unsere Arbeit 🌟

Wenn Ihnen unser Beitrag gefallen hat und Sie Zeit und Lust haben, freuen wir uns über eine Bewertung bei Trustpilot.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.