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Fleisch
Tierisches Eiweiss: So schädlich wie das Rauchen

  • Autor: Zentrum der Gesundheit
  • aktualisiert: 10.01.2017
Tierisches Eiweiss: So schädlich wie das Rauchen
© istockphoto.com/Kuvona

Wer gerne Fleisch und Käse mag, stirbt früher – und das auch noch an Krebs. So könnte man – ganz grob – die Ergebnisse einer Studie der University of California zusammenfassen. Das Problem liege am tierischen Eiweiss – so die Forscher. Denn pflanzliches Eiweiss hat keine derartig schädlichen Auswirkungen. Ein Überschuss an tierischem Eiweiss nämlich, der mit einer Ernährung aus viel Fleisch, Wurst und Käse zwangsläufig zustande kommt, ist äusserst ungesund. Es handelt sich um die erste Studie, die einen konkreten Zusammenhang zwischen hohem Proteinverzehr und dem Sterberisiko aufzeigt.

Tierisches Eiweiss so schädlich wie Zigaretten

Das Steak auf Ihrem Teller kann für Sie – langfristig gesehen – ähnlich tödlich sein wie eine Zigarette. Das meinen jedenfalls kalifornische Forscher, die einem Zusammenhang zwischen Sterberisiko und tierischem Eiweiss nachgingen. Ihre Studie, in der sie Daten von über 6.000 Personen auswerteten, wurde 2014 in der Fachzeitschrift Cell Metabolism veröffentlicht.

Tierisches Eiweiss: Mehr Krebs und ein früher Tod sind die Folge

Der übermässige Verzehr von tierischem Eiweiss wird schon seit vielen Jahren mit einem dramatischen Anstieg des Krebsrisikos in Verbindung gebracht. Die Studie der Kalifornier bestätigte dies und fand noch mehr heraus:

  • Bei einer Ernährung aus viel Milch, Fleisch und Käse wird man eher zum Opfer eines frühen Todes als bei einer proteinarmen Ernährung.
  • Das Risiko, an Krebs zu sterben, vervierfacht sich bei einer Ernährung mit viel tierischem Eiweiss im Vergleich zu einer proteinarmen Kost.
  • Die verfrühte Sterblichkeit aufgrund anderer Ursachen als Krebs war bei den Proteinliebhabern um 74 Prozent höher als bei den proteinarm Essenden.
  • Proteinliebhaber hatten ferner ein mehrfach erhöhtes Risiko, an den Folgen eines Diabetes zu versterben.

Eine Ernährung aus reichlich tierischen Eiweissen stellt somit einen ähnlich gravierenden Sterblichkeitsfaktor dar wie das Rauchen.

Dr. Valter Longo, Professor für Biogerontologie (der Wissenschaft des Alterns) und Direktor des Instituts für Langlebigkeit an der Universität von Kalifornien sagt:

"Es geht nicht darum, sich so zu ernähren, damit man gerade so die nächsten drei Tage überlebt, sondern darum, wie man sich ernähren kann, um 100 Jahre alt zu werden."

Eine proteinreiche Ernährung gehört offensichtlich nicht dazu.

Was ist proteinreich und was ist proteinarm?

Eine Ernährung wird dann als proteinreich bezeichnet, wenn man mindestens 20 Prozent der täglichen Kalorien in Form von Proteinen zu sich nimmt.

Von einer Ernährung mit mässigem Proteinkonsum spricht man, wenn 10 bis 19 Prozent der Kalorien als Proteine verspeist werden, während es bei einer proteinarmen Ernährung nur 10 Prozent sind.

Wer also täglich 2000 Kilokalorien (kcal) zu sich nimmt, ernährt sich proteinreich, wenn er 400 kcal insbesondere in Form tierischer Eiweisse verspeist. 400 kcal stecken zum Beispiel in folgenden Lebensmitteln (kcal-Angabe bezieht sich auf den Eiweissanteil):

  • 100 g Emmentaler - 110 kcal
  • 200 g Schweinekotelett - 240 kcal
  • 125 g Früchtejoghurt - 25 kcal
  • 30 g Salami - 25 kcal (Belag für ein Brötchen)
Pflanzliche Proteine

Pflanzliche Proteine sind besser

Die Ergebnisse von Dr. Longos Studie unterstützen die derzeit geläufigen offiziellen Empfehlungen zum täglichen Proteinverzehr. Demnach sollte man täglich nicht viel mehr als 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen.

Ein 70-Kilo-Mensch wäre folglich mit etwa 56 Gramm Protein pro Tag gut bedient, wobei ein Grossteil davon aus pflanzlichen Quellen stammen sollte.

Denn pflanzliche Proteine (wie etwa aus Hülsenfrüchten), so stellte Longos Team fest, haben nicht dieselben negativen Auswirkungen auf die Gesundheit wie tierisches Eiweiss, führen also nicht zu einem verfrühten Tod und erhöhen auch nicht die Krebsrate.

Wie Sie Ihre Ernährung ganz leicht auf eine eiweissreduzierte Ernährung umstellen können, lesen Sie hier.

Auch gemässigte Proteinmengen bergen Gesundheitsrisiken

Nun isst aber die Mehrheit der Menschen in den Industrienationen doppelt so viel Eiweiss wie empfohlen. Es wäre daher sinnvoll, sagte Dr. Longo, die tägliche Proteinmenge drastisch zu reduzieren.

Denn auch noch gemässigte Mengen tierischen Eiweisses zeigten in der vorliegenden Studie ungünstige Einflüsse auf die Gesundheit. Für alle, die gemässigte Proteinmengen zu sich nehmen, besteht offenbar eine dreimal höhere Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu sterben als für jene, die sich proteinarm ernähren.

Gleichzeitig können jene, die ihre Ernährung umstellen und ab sofort proteinarm essen, ihre Wahrscheinlichkeit, verfrüht zu sterben, um 21 Prozent senken.

Versuche an Mäusen und Zellkulturen haben die Ergebnisse der kalifornischen Studie jeweils bestätigt. Auch den Tieren ging es umso schlechter, je mehr Eiweiss sie zu sich nahmen. Mäuse hingegen, die sich proteinarm ernährten, erkrankten seltener an Krebs – und wenn sie doch krank wurden, so waren die Tumore um 45 Prozent kleiner als die der Proteinesser.

Proteinarm bis 65, dann mehr Protein

Beim Menschen nun soll sich eine proteinarme Ernährung besonders dann sehr positiv auf die Lebenserwartung und den Gesundheitszustand auswirken, wenn man sie spätestens ab dem mittleren Alter (ab 40 Jahre) praktziert.

Im höheren Alter (ab 65) wären dann eventuell wieder etwas mehr Proteine sinnvoll, besonders bei Personen, die eher untergewichtig sind oder die aufgrund von Krankheiten ausgezehrt sind und neue Muskelmasse aufbauen müssen.

Länger leben mit pflanzlichen Proteinen

Im August 2016 wurden erneut Studienergebnisse veröffentlicht (im JAMA Internal Medicine), die ebenfalls zeigten, dass eine Ernährung mit reichlich tierischem Protein die Sterblichkeit erhöht, man also mit einer pflanzlichen Eiweissversorgung länger leben kann.

Es handelte sich dabei um die bislang grösste Studie, die sich den Auswirkungen verschiedener Proteinquellen auf die menschliche Gesundheit widmete. Die Forscher analysierten dazu die Daten der Nurses' Health Study (NHS) und der Health Professionals Follow-up Study (HPFS) mit insgesamt mehr als 170.000 Teilnehmern, die über einen Zeitraum von über 30 Jahren wissenschaftlich beobachtet wurden.

Man stellte fest, dass der Verzehr von tierischem Protein (Fleisch, Eier, Milchprodukte) das Leben zu verkürzen schien, was beim Verzehr von bevorzugt pflanzlichem Protein (Brot, Flocken, Pasta, Hülsenfrüchte und Nüsse) nicht der Fall war.

Warum aber sind tierische Proteine – im Übermass verzehrt – so ein gravierendes Problem?

Tierisches Eiweiss lässt Krebs wachsen

Proteine – und so insbesondere das tierische Eiweiss – erhöhen den IGF-1-Spiegel, also den Spiegel der Wachstumshormone. Diese sorgen für Wachstum, Regeneration und Muskelaufbau. Gleichzeitig aber lassen sie auch Krebstumore wachsen und werden daher mit einer erhöhten Krebsgefahr in Verbindung gebracht.

Misst man den IGF-1-Spiegel und bringt ihn in Zusammenhang mit dem Auftreten von Krebs, dann lässt sich beobachten, dass eine tödliche Krebserkrankung umso wahrscheinlicher wird, je höher der IGF-1-Spiegel steigt.

"Fast jeder hat Krebszellen oder Krebsvorstufen in sich",

erklärt Dr. Longo.

"Die Frage ist nur: Entwickelt sich daraus ein Tumor? Wächst derKrebs? Oder bleibt er unscheinbar und wird innerhalb weniger Tage wieder vomImmunsystemeliminiert? Ob er nun wächst oder nicht, entscheidet nicht zuletzt die Menge des verzehrten Proteins."

Pflanzliche Proteinpulver: Eiweiss ohne Risiken und Nebenwirkungen

Ab 65 Jahren aber fallen die IGF-1-Werte oft dramatisch, was dann zu Muskelabbau und Gebrechlichkeit führen kann. Proteine können dann helfen, dieser altersgemässen Entwicklung Einhalt zu gebieten.

Das aber bedeutet nicht, dass man ab 65 plötzlich wieder tierisches Eiweiss in Form von Fleisch, Wurst, Milch und Käse essen müsste. Auch ein erhöhter Proteinbedarf kann problemlos mit pflanzlichen Lebensmitteln gedeckt werden, wie wir hier beschrieben hatten: Proteinbedarf vegan decken

Gegebenenfalls greift man auf ein pflanzliches Proteinpulver zurück, wie z. B. auf ein Reisprotein, ein Erbsenprotein, ein Hanfprotein oder das Lupinenprotein.

Pflanzliche Proteine helfen ausserdem nicht nur dabei, den Proteinbedarf zu decken, sondern haben überdies viele positive Eigenschaften, mit denen sie unsere Gesundheit verbessern.

Alles über die pflanzlichen Proteine lesen Sie hier: Pflanzliche Proteine: Die Powernahrung

Tierisches Eiweiss gegen pflanzliches Eiweiss austauschen

Tauschen Sie daher einen grossen Teil der tierischen Lebensmittel – Fleisch, Wurst, Käse, Milchprodukte – gegen pflanzliche Proteinquellen aus und reduzieren Sie auf diese Weise Ihren Verzehr an tierischem Eiweiss. Pflanzliche Proteine finden sich in allen pflanzlichen Lebensmitteln. In Früchten ist der Eiweissgehalt am niedrigsten. Höhere Proteinmengen sind in Hülsenfrüchten, Ölsaaten (Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne etc.), Nüssen, Getreide, Lupinenprodukten und Pseudogetreiden (Quinoa) enthalten.

Eine Tabelle mit den wichtigsten pflanzlichen Proteinquellen und beispielhafte Ernährungspläne, wie Veganer problemlos ihren Proteinbedarf decken, finden Sie im schon oben genannten Link: Proteinbedarf vegan decken

Ihre Ausbildung zum ganzheitlichen Ernährungsberater

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Anonym schrieb am 11.03.2017

Sehr geehrtes Zentrum-der-Gesundheit-Team. Seit etwa zwei Jahren befasse ich mich intensiv mit dem Thema Ernährung, da ich sowohl im Leistungssport, als auch im täglichen Leben meine körperliche und geistige Leistungsfähigkeit optimieren möchte.

Vor kurzem stieß ich auf den obigen Artikel: Tierisches Eiweiss: So schädlich wie das Rauchen. Zweifelsohne nehmen ernährungsbedingte Erkrankungen kontinuierlich zu und haben bereits heute ein epidemiologisches Ausmaß angenommen. Aus diesem Grund haben sich in den letzten Jahren zahlreiche neue Ernährungsformen entwickelt, welche das Ziel anstreben, Zivilisationserkrankungen zu präventieren und bereits auftretende Erkrankungsformen zu behandeln. Einen Ansatz stellt unter anderem die rein pflanzliche Kost dar, für die Sie plädieren.

Die Studienlage zu neuen Ernährungsformen könnte nicht widersprüchlicher sein. Kritik ist ein zentraler Punkt bei den alternativen Ernährungsformen. Da mich Ihre Meinung zum Thema tierischer Proteinzufuhr interessierte, habe ich den von Ihnen verfassten Artikel etwas genauer analysiert und an einigen Stellen widersprüchliche Aspekte gefunden.

Nehmen Sie den folgenden Text nicht als negative, sondern als positive Kritik, mit dem Ziel, die nächsten Artikel ohne die entsprechenden Mängel zu verfassen.

Zuallererst ist der Begriff „Proteinzufuhr“ nicht einheitlich definiert. Sie schreiben: Proteinreich ist eine Ernährung dann, wenn „mindestens 20 Prozent der täglichen Kalorien in Form von Proteinen […]“ vorliegen. In diesem Aspekt stimme ich Ihnen zu, jedoch waren in den von Ihnen zitierten Studien keine Angaben vorhanden, welche die Begriffe niedrige, moderate und hohe Proteinzufuhr charakterisieren. Wurden 3g/kg Körpergewicht Eiweiß in dieser Studie als „high-protein intake“ angesehen? Oder waren es sogar noch weniger als die von Ihnen angegeben 20% der Tageskalorienzufuhr?

Weiterhin sollten Sie beachten, dass die Studienergebnisse ohne die Schilderung der genaueren Bedingungen dargelegt wurden. Welche Verteilung hatte das Mikro- und Makronährstoffverhältnis? Es ist logisch, dass während des Testzeitraumes nicht nur Proteine, sondern auch Kohlenhydrate und Fette verzehrt wurden. Damit kann jedoch nicht abgeklärt werden, ob das Medium Eiweiß an sich als pathogen einzustufen ist. Wurden eventuell hohe Mengen an Fetten zugleich zugeführt, die erst zusammen mit Proteinen gesundheitsschädliche Effekte besitzen? Außerdem stellt sich die Frage: Waren die Probanden vor Beginn der Studie gesund oder vorbelastet? An vielen weiteren Stellen in Ihrem Artikel bleiben solche Fragestellungen ungeklärt.

In der zweiten von Ihnen angeführten Studie wurde für alle Altersgruppen ein 6-fach erhöhtes Diabetesrisiko dargelegt. Doch inwiefern haben Proteine Einfluss auf eine diabetische Stoffwechselentgleisung? Diabetes ist ein „Kohlenhydratproblem“ und repräsentiert die Folgen von chronisch überhöhter Insulinausschüttung. Es ist zwar möglich, dass tierische Eiweiße mit Diabetes in Zusammenhang stehen, jedoch kann aus den beiden vorliegenden Studienergebnissen kein evidenzbasierter Zusammenhang abgeleitet werden.

Die fehlende Nachhaltigkeit und Tiefgründigkeit der Korrelationsstudien kommt unter anderem im JAMA Internal Medicine zum Ausdruck. Die Wissenschaftler schreiben in den Ergebnissen von möglichen Zusammenhängen: „[a moderate protein-intake] may optimize healthspan and longevity.”, welche aus in den Untersuchungen möglicherweise abgeleitet werden können.

Neben einigen Mängeln in der Studienausfall sind auf fachlichen Ebene einige Kritikpunkte auffällig. Sie empfehlen jungen Menschen, sich proteinarm zu ernähren, das heißt nur 10% der Tagesenergiezufuhr sollte in Form von Eiweiß aufgenommen werden. Gelten diese Empfehlungen auch beispielweise für besondere Berufsgruppen oder Sportler? Es ist bekannt, dass aktive Menschen einen erhöhten Strukturverbrauch und somit einen erhöhten Proteinbedarf besitzen. Die allgemeine Eiweißzufuhr auf 10% kcal/Tag auf Protein zu definieren, ist daher eine vorschnelle Schlussfolgerung.

Weiterhin kommen wichtige Aspekte von tierischen Proteinquellen nicht zum Ausdruck. Auch wenn aus Untersuchungsergebnissen bekannt ist, dass sich die biologische Wertigkeit kombinierter pflanzlicher Proteine vervielfältigen lässt, so sollte wenigstens erwähnt werden, dass durch das Auslesen tierischer Eiweißquellen die qualitative Eiweißversorgung kritisch werden könnte und deshalb beachtet werden sollte. Ebenso ist zum Beispiel Fleisch ein besserer Mikronutrientenlieferant in Bezug auf Zink und der B-Vitamine.

Der größte Kritikpunkt stellt jedoch das fehlerhaft ausgewertete Material der ohnehin nicht aussagekräftigen Studien dar. Das JAMA Internal Medicine: schreibt: “These associations were confined to participants with at least 1 unhealthy lifestyle factor based on smoking, heavy alcohol intake, overweight or obesity, and physical inactivity, but not evident among those without any of these risk factors.” Zentrum der Gesundheit schreibt zu diesem Sachverhalt: “Man stellte fest, dass der Verzehr von tierischem Protein (Fleisch, Eier, Milchprodukte) das Leben zu verkürzen schien, was beim Verzehr von bevorzugt pflanzlichem Protein (Brot, Flocken, Pasta, Hülsenfrüchte und Nüsse) nicht der Fall war.“ Sie beziehen also ein Problem, was Menschen mit ungesunden Lebensstil betrifft, auf die Gesamtgesellschaft, obwohl dies in der vorliegenden Studie nicht bewiesen werden konnte.

JAMA Internal Medicine: “Conversely, high protein intake was associated with reduced cancer and overall mortality in respondents over 65 […]” Zentrum der Gesundheit: „Im höheren Alter (ab 65) wären dann eventuell wieder etwas mehr Proteine sinnvoll […]“ „Das aber bedeutet nicht, dass man ab 65 plötzlich wieder tierisches Eiweiss in Form von Fleisch, Wurst, Milch und Käse essen müsste […]“ Auch an dieser Stelle lässt sich nicht ableiten, ob eine Proteinzufuhr tierischer Herkunft im Alter über 65 gesundheitsschädlich ist. Sie bestätigen zwar die Notwendigkeit einer erhöhten Eiweißaufnahme, jedoch wird in dem vom JAMA Internal Medicine veröffentlichen Satz kein Bezug auf die Vorteile einer pflanzenbetonten Eiweißaufnahme im höheren Alter genommen.

Es würde mich freuen, wenn Sie den von mir verfassten Artikel auf Ihrer Website als Gegenposition veröffentlichen könnten. Nehmen Sie meine Argumente bitte nicht als negative Kritik, sondern sehen Sie diese vielmehr als Aufklärungs- und Fortbildungsarbeit an. Auf dem Gebiet der Ernährungsforschung muss Kritik Gang und Gäbe sein, denn ohne Kritik ist die eigentliche Forschungsarbeit wertlos. Mit freundlichen Grüßen

Antwort vom Zentrum der Gesundheit

Nachfolgend unsere Kommentare in kursiv zwischen Ihren Zeilen:

Zuallererst ist der Begriff „Proteinzufuhr“ nicht einheitlich definiert. Sie schreiben: Proteinreich ist eine Ernährung dann, wenn „mindestens 20 Prozent der täglichen Kalorien in Form von Proteinen […]“ vorliegen. In diesem Aspekt stimme ich Ihnen zu, jedoch waren in den von Ihnen zitierten Studien keine Angaben vorhanden, welche die Begriffe niedrige, moderate und hohe Proteinzufuhr charakterisieren.

Doch, in der Studie waren die von uns genannten Angaben enthalten. 

Weiterhin sollten Sie beachten, dass die Studienergebnisse ohne die Schilderung der genaueren Bedingungen dargelegt wurden. Welche Verteilung hatte das Mikro- und Makronährstoffverhältnis? Es ist logisch, dass während des Testzeitraumes nicht nur Proteine, sondern auch Kohlenhydrate und Fette verzehrt wurden. Damit kann jedoch nicht abgeklärt werden, ob das Medium Eiweiß an sich als pathogen einzustufen ist. Wurden eventuell hohe Mengen an Fetten zugleich zugeführt, die erst zusammen mit Proteinen gesundheitsschädliche Effekte besitzen? Außerdem stellt sich die Frage: Waren die Probanden vor Beginn der Studie gesund oder vorbelastet?  An vielen weiteren Stellen in Ihrem Artikel bleiben solche Fragestellungen ungeklärt.

Die von Ihnen gewünschten Informationen finden Leser, die an Details interessiert sind, in der angegebenen Studie oder im Austausch mit den entsprechenden Wissenschaftlern, deren Kontaktdaten in den genannten Quellen stets angegeben sind. Wir berichten über Studien und ihre Ergebnisse. Würden wir sie in der von Ihnen gewünschten Form analysieren, müssten wir über jede Studie einen mindestens 20seitigen Artikel verfassen, den kaum ein Mensch lesen würde.

In der zweiten von Ihnen angeführten Studie wurde für alle Altersgruppen ein 6-fach erhöhtes Diabetesrisiko dargelegt. Doch inwiefern haben Proteine Einfluss auf eine diabetische Stoffwechselentgleisung? Diabetes ist ein „Kohlenhydratproblem“ und repräsentiert die Folgen von chronisch überhöhter Insulinausschüttung. Es ist zwar möglich, dass tierische Eiweiße mit Diabetes in Zusammenhang stehen, jedoch kann aus den beiden vorliegenden Studienergebnissen kein evidenzbasierter Zusammenhang abgeleitet werden.

Diabetes ist keinesfalls ein reines Kohlenhydratproblem. Bitte erkundigen Sie sich diesbezüglich noch einmal.

Neben einigen Mängeln in der Studienausfall sind auf fachlichen Ebene einige Kritikpunkte auffällig. Sie empfehlen jungen Menschen, sich proteinarm zu ernähren, das heißt nur 10% der Tagesenergiezufuhr sollte in Form von Eiweiß aufgenommen werden. Gelten diese Empfehlungen auch beispielweise für besondere Berufsgruppen oder Sportler? Es ist bekannt, dass aktive Menschen einen erhöhten Strukturverbrauch und somit einen erhöhten Proteinbedarf besitzen. Die allgemeine Eiweißzufuhr auf 10% kcal/Tag auf Protein zu definieren, ist daher eine vorschnelle Schlussfolgerung.

Die Schlussfolgerung zur Proteinversorgung in unserem Artikel ist jene der beteiligten Forscher. Bitte sehen Sie den Artikel als das an, was er ist: Die Vorstellung einer Studie, nicht mehr und nicht weniger. Da pflanzliche proteinreiche Lebensmittel – laut der genannten und vielen weiteren Untersuchungen – keine entsprechenden negativen Auswirkungen haben, kann man gerne – je nach Bedarf – auch mehr Protein zu sich nehmen. Wir haben im Text zu zahlreichen weiteren Informationen verlinkt, in denen wir z. B. erklärt hatten, wie der Proteinbedarf mit pflanzlichen Proteinen gedeckt werden kann.

Weiterhin kommen wichtige Aspekte von tierischen Proteinquellen nicht zum Ausdruck. Auch wenn aus Untersuchungsergebnissen bekannt ist, dass sich die biologische Wertigkeit kombinierter pflanzlicher Proteine vervielfältigen lässt, so sollte wenigstens erwähnt werden, dass durch das Auslesen tierischer Eiweißquellen die qualitative Eiweißversorgung kritisch werden könnte und deshalb beachtet werden sollte. Ebenso ist zum Beispiel Fleisch ein besserer Mikronutrientenlieferant in Bezug auf Zink und der B-Vitamine.

Gerne machen wir Sie auf diesen Artikel aufmerksam.

Der größte Kritikpunkt stellt jedoch das fehlerhaft ausgewertete Material der ohnehin nicht aussagekräftigen Studien dar. Das JAMA Internal Medicine: schreibt: “These associations were confined to participants with at least 1 unhealthy lifestyle factor based on smoking, heavy alcohol intake, overweight or obesity, and physical inactivity, but not evident among those without any of these risk factors.” Zentrum der Gesundheit schreibt zu diesem Sachverhalt: “Man stellte fest, dass der Verzehr von tierischem Protein (Fleisch, Eier, Milchprodukte) das Leben zu verkürzen schien, was beim Verzehr von bevorzugt pflanzlichem Protein (Brot, Flocken, Pasta, Hülsenfrüchte und Nüsse) nicht der Fall war.“ Sie beziehen also ein Problem, was Menschen mit ungesunden Lebensstil betrifft, auf die Gesamtgesellschaft, obwohl dies in der vorliegenden Studie nicht bewiesen werden konnte.

Bitte betrachten Sie sich unsere Gesellschaft: Fast jeder gehört zu einer der genannten Risikogruppen. Allein die Hälfte der Bevölkerung ist übergewichtig. Ebenfalls die Hälfte der Bevölkerung treibt keinen Sport – und 30 Prozent der Bevölkerung raucht. Wer ferner so lange warten will, bis die Wissenschaft den ultimativen Beweis vorlegt, kann das gerne tun, könnte aber auch wertvolle Zeit verlieren.

JAMA Internal Medicine: “Conversely, high protein intake was associated with reduced cancer and overall mortality in respondents over 65 […]” Zentrum der Gesundheit: „Im höheren Alter (ab 65) wären dann eventuell wieder etwas mehr Proteine sinnvoll […]“ „Das aber bedeutet nicht, dass man ab 65 plötzlich wieder tierisches Eiweiss in Form von Fleisch, Wurst, Milch und Käse essen müsste […]“ Auch an dieser Stelle lässt sich nicht ableiten, ob eine Proteinzufuhr tierischer Herkunft im Alter über 65 gesundheitsschädlich ist. Sie bestätigen zwar die Notwendigkeit einer erhöhten Eiweißaufnahme, jedoch wird in dem vom JAMA Internal Medicine veröffentlichen Satz kein Bezug auf die Vorteile einer pflanzenbetonten Eiweißaufnahme im höheren Alter genommen.

Warum sollten wir älteren Menschen plötzlich tierische Proteinquellen empfehlen, wo diese durchaus mit Risiken behaftet sind, während man sich wunderbar gesund seinen Speiseplan aus pflanzlichen Proteinquellen zusammenstellen kann?

Es würde mich freuen, wenn Sie den von mir verfassten Artikel auf Ihrer Website als Gegenposition veröffentlichen könnten. Nehmen Sie meine Argumente bitte nicht als negative Kritik, sondern sehen Sie diese vielmehr als Aufklärungs- und Fortbildungsarbeit an. Auf dem Gebiet der Ernährungsforschung muss Kritik Gang und Gäbe sein, denn ohne Kritik ist die eigentliche Forschungsarbeit wertlos.

Keine Sorge, wir haben Sie durchaus richtig verstanden :-) Selbstverständlich erscheint Ihr Text in unserer Kommentarrubrik.

Ihr Team vom
Zentrum der Gesundheit
 

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