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Anti-Aging ist Präventiv-Medizin

Anti-Aging ist Präventiv-Medizin

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(Zentrum der Gesundheit) - Die Anti-Aging Medizin wird häufig nur als Lifestyle-Medizin angesehen, die als Wunderwaffe gegen Falten eingesetzt wird und durch Hormon-Cocktails für ewige Jugend sorgen soll. In erster Linie bedeutet Anti-Aging jedoch die Gesunderhaltung des Körpers und damit die Verlangsamung von Alterungs-, Verschleiss- und Abbauprozessen.

Gesundheitsvorsorge ist sehr wichtig

Typische Alterserscheinungen sind vielfältig und können bereits ab Mitte 30 auftreten: Graue Haare, Falten und Cellulite sind zwar ärgerlich, aber noch die harmlosesten. Zusätzlich können Immunschwächen, Depressionen, Libido- und Potenzstörungen oder Krankheiten wie Arthrose, Diabetes oder Gedächtnisstörungen auftreten.

Hier kann die Anti-Aging Medizin - rechtzeitig angewandt - zum einen als Präventiv-Medizin vielen Erkrankungen vorbeugen, zur Gesundheitsvorsorge beitragen, aber auch bereits bestehende Erkrankungen lindern oder therapieren.

Da in unserer Zivilisationsgesellschaft vor allem zivilisatorisch und altersabhängig entstehende Erkrankungen die Lebensqualität und Lebenserwartung limitieren, kann es als entscheidende Zielsetzung des Anti-Aging angesehen werden, gerade auf Entstehung und Verlauf dieser zivilisationsbedingten und altersabhängigen Krankheiten Einfluss zu nehmen. Lesen Sie auch hierzu unseren Artikel Anti-Aging mit Kräutern.

Warum wir Altern

Den normalen Verschleiss- und Alterungsprozessen im Körper ist jeder Mensch im Laufe seines Lebens ausgesetzt. Allerdings gibt es eine Reihe von äusseren Faktoren, die den natürlichen Alterungsprozess beschleunigen. Diese begünstigen die vermehrte Produktion von freien Radikalen, die in grossen Mengen Körperzellen nachhaltig schädigen.

Die Folge: Der Körper ist in erster Linie mit der Bekämpfung der zu zahlreichen freien Radikale beschäftigt und vernachlässigt seine natürlichen Regenerationsvorgänge. Zu den äusseren Faktoren, die den Alterungsprozess vorantreiben, gehören zu wenig Schlaf, Bewegungsmangel, fetthaltige und vitaminarme Ernährung, Nikotin, Alkohol und auch ein hektisches Leben - also Stress.

Freie Radikale schaden dem Körper

Freie Radikale entstehen bei allen Stoffwechselprozessen im Körper, aber auch durch äussere Einflüsse wie UV-Licht, körperliche Belastung, Nitrat, Tabak und Alkohol. Es sind aggressive Sauerstoffatome, die auf der Suche nach ihrem fehlenden Elektron andere Stoffe, Zellmembrane, Chromosome oder Gewebe im Körper zerstören.

In kleinen Mengen stellen freie Radikale kein Problem für den menschlichen Organismus dar, da dieser über ein zweckmässiges System verfügt, um diese aggressiven Radikale unschädlich zu machen. In grösseren Mengen ist das Reparatursystem des Körpers jedoch überlastet. Die Folge: Zellen sterben ab oder verändern sich so, dass Krankheiten entstehen können.

Bewegungsmangel

Wer rastet, der rostet. Diese Lebensweisheit drückt ohne Umschweife am besten aus, was nicht nur für ältere Menschen gilt. Bewegungsmangel wirkt ungünstig auf den Stoffwechsel und beschleunigt den körperlichen Verfall. Mangelnde körperliche Bewegung ist nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Krankheiten.

Eine unschöne Folge: Menschen, die sich nur wenig oder gar nicht bewegen, sehen oft älter aus als sie sind. Dagegen haben sich Menschen, die fit sind, gleichzeitig ein "dickes Fell" zugelegt gegen negative äussere Einflüsse wie Stress.

Regelmässiges Training aktiviert viele Körperfunktionen

Wer regelmässig trainiert - am besten in einer Ausdauersportart - fordert seinen Körper und bringt viele Körperfunktionen in einen ausgeglichenen Zustand. Sport stärkt das Immunsystem. Ein trainierter Körper arbeitet besser, das heisst, er muss weniger Energie aufwenden, um das gleiche zu erreichen wie ein untrainierter Körper.

Durch den reduzierten Energieverbrauch entstehen weniger schädigende Stoffwechselprodukte im Körper. Aber: Ein Zuviel an körperlicher Aktivität bewirkt nicht selten das Gegenteil. Der Körper muss seine Stoffwechselaktivität erhöhen, produziert mehr freie Radikale. Die Folge: Der Alterungsprozess wird beschleunigt. Deshalb: Bewegung ja, aber immer in Massen.

Übergewicht/Essen

"Der Mensch ist, was er isst." Diese Volksweisheit drückt treffend aus, was heute wissenschaftlich erwiesen ist: Eine gesunde Ernährung sorgt für einen energiegeladenen Körper, der den Ansprüchen des alltäglichen Lebens standhalten kann, ohne sofort mit Ermüdungserscheinungen kämpfen zu müssen. Über die Nahrung nimmt der Mensch die lebensnotwendigen Substanzen wie Vitamine, Mineralien und Spurenelemente auf. Sie ermöglichen einen normalen Stoffwechsel.

Fehlende Mineralstoffe verursachen vorzeitige Ermüdung

Enthält die Nahrung keine ausgewogene Balance zwischen diesen Substanzen, kann auch der Stoffwechsel nicht mehr reibungslos funktionieren. Folge: Ermüdungserscheinungen - Leistungsfähigkeit, Gesundheit und Lebensfreude sind beeinträchtigt. Kombiniert mit zu wenig Bewegung nimmt der Körper schnell an Gewicht zu und Übergewicht mit allen gesundheitlichen Folgeproblemen wie Herz-Kreislaufprobleme, Diabetes und Gelenkbeschwerden droht.

Übergewicht senkt Lebenserwartung

Im Erwachsenenalter erhöhen Übergewicht und Adipositas Krankheits- und Mortalitätsrisiko. Der Einfluss auf die Lebenserwartung wurde nun erstmals quantifiziert.

Analysiert wurden die Daten einer Subgruppe von 3457 Teilnehmern der Framingham-Studie, die anhand von BMI (Body-Mass-Index) und Raucherstatus in Gruppen eingeteilt waren. Normalgewichtige Probanden bildeten Gruppe 1, übergewichtige kamen in Gruppe 2 und adipöse in Gruppe 3. Die Nachbeobachtungszeit betrug mehr als 40 Jahre.

Der Vergleich zu Normalgewichtigen erbrachte folgendes Ergebnis:

  • Gruppe 2: Bei nicht rauchenden Frauen führte Übergewicht zu einem Verlust von 3,3 Jahren Lebenserwartung. Übergewichtige, nicht rauchende Männer verloren 3 Jahre ihrer Lebenszeit.
  • Gruppe 3: Bei Adipösen waren die Ergebnisse noch deutlicher: Nichtrauchende Frauen haben eine um 7 Jahren verkürzte Lebenserwartung. Nichtrauchende männliche Probanden büssten 5,82 Jahre ihrer Lebenszeit ein.

Übergewichtige Raucher/Raucherinnen lebten im Durchschnitt sogar 13 bis 14 Jahre weniger lang als normalgewichtige Nichtraucher.

Fazit: Übergewicht und Fettsucht verkürzen die Lebenserwartung drastisch. Besonders fatal wirken sich viele Pfunde bei Rauchern aus.

Nikotin

Noch immer rauchen viele Millionen Menschen. Dabei ist allgemein bekannt, dass die Inhaltsstoffe von Tabak zahlreiche unerwünschte Nebenwirkungen haben: Rauchen erhöht die Krankheitshäufigkeit. Raucher sind 30 bis 40% öfter krank als Nichtraucher. Rauchen erhöht den Blutdruck und ist für zahlreiche Herz- und Kreislauferkrankungen verantwortlich.

Frauen sind besonders anfällig für die negativen Auswirkungen durch Rauchen: Bereits ab der dritten Zigarette pro Tag verdoppelt sich das Herzinfarktrisiko bei Frauen und sie kommen früher in die Wechseljahre als Nichtraucherinnen. Aber: Rauchen ist nicht nur stark gesundheitsschädigend und insbesondere krebserregend, sondern lässt uns auch schneller altern.

Durch regelmässiges Rauchen wird die Haut schlechter durchblutet und altert somit rascher. Und Vorsicht: Auch Passivrauchen ist ungesund.

Sonne macht glücklich

Sonne macht glücklich und schön. Aber: Ein Zuviel des Guten wirkt schädlich. Besonders schädigend sind zu viele intensive Sonnenstrahlen für die Haut. Diese beschleunigen die Hautalterung, es entstehen Falten und braune Pigmentflecken, so genannte Altersflecken. Zudem ist der Körper nach einem zu langen Sonnenbad mit der Reparatur der geschädigten Zellen beschäftigt.

Bei den Reparaturvorgängen entstehen wieder vermehrt schädigende Abfallprodukte - die freien Radikale. Die normalen Regenerationsprozesse des Körpers werden in dieser Zeit vernachlässigt. Nicht alle durch das einen Sonnenbrand geschädigten Zellen lassen sich reparieren: Sie sterben ab oder lösen - im schlimmsten Fall - gefährlichen Hautkrebs aus.

Alkohol

Nichts gegen ein Gläschen Rotwein pro Tag, aber zuviel Alkohol ist Stress pur für die Zellen. Der Abbau von Alkohol fordert einen erhöhten Energieeinsatz vom Körper. Dabei entstehen, wie bei allen Stoffwechselvorgängen im Körper, schädliche Zwischenprodukte - die freien Radikale.

Übermässiger Alkoholgenuss schädigt Leber und Mitochondrien. Mitochondrien sind spezielle Zellorgane, die in jeder Muskelzelle vorhanden sind. Sie verbrennen die Nährstoffe und erzeugen somit Energie, um Bewegungen durchzuführen - ein ähnlicher Vorgang wie das Verbrennen von Benzin in einem Motor. Bei Alkoholkonsum konzentriert sich unsere körperliche Aktivität auf die Reparatur der Schäden und kann reguläre Stoffwechselaktivitäten nicht in vollem Umfang ausführen. Das beschleunigt den Altersprozess und erhöht das Risiko, an altersbedingten Leiden zu erkranken.

Stress

Auch der alltägliche Stress ist nicht ohne Risiko. Stress kann krankmachen und nachweislich die Lebenserwartung verkürzen. Bei Stress werden die Stresshormone Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet. Die Folge: Die Muskeln können sich nicht entspannen, Pulsfrequenz und Blutdruck bleiben erhöht.

Dauerhaft hat dieser Zustand in Kombination mit der falschen Ernährung nachhaltige Folgen für die Gesundheit: Fette und zuckerhaltige Nahrung wird unter Stress nur schlecht in Energie umgewandelt und stattdessen in den körpereigenen Depots verstaut. Ein Ergebnis dieses ungesunden Lebensstils ist schliesslich nicht zu übersehen: Übergewicht. Auf Dauer kann dies ein Auslöser für ernsthafte Erkrankungen sein, z.B. des Herz-Kreislaufsystems.

Psychische Gesundheit

Gesundheit wird definiert als ein Zustand regelrechten körperlichen und psychischen (bzw. seelischen) Befindens. Während die Medizin in ihrer historischen Entwicklung auf Grund ihrer naturwissenschaftlichen Orientierung überwiegend Körper und Psyche getrennt betrachtet.

Erst in neuerer Zeit haben fortschreitende Erkenntnisse der Psychologie und Medizin die Psychosomatik und die Psychoneuroimmunologie als relativ junge Disziplin entwickeln lassen. Diese beschäftigt sich mit den vielfältigen Wechselbeziehungen von Körper und Psyche.

Es ist gemäss psychosomatischen Erkenntnissen unbestritten, dass sich die psychische Befindlichkeit nachhaltig auch auf das körperliche Befinden auswirkt und umgekehrt eine beeinträchtigte körperliche Befindlichkeit die Psyche nachhaltig beeinflussen kann.

Da somit die körperliche und psychische Befindlichkeit letztlich untrennbar miteinander verwoben sind, sollte in einer ganzheitlich ausgerichteten Anti-Aging-Medizin auch die psychische Gesundheit angemessen berücksichtigt werden.

Körperlich aktivierende, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit steigernde Behandlungen wirken sich i.d.R. auch positiv auf die psychische Verfassung aus. Umgekehrt kann führt eine psychisch stabilisierende Behandlung auch zu einer Verbesserung des körperlichen Befindens.

Nicht immer müssen bei einer Indikationsstellung zur psychischen Mitbetreuung tief greifende Konflikte, Ängste oder Depressionen vorhanden sein. Für die Anti-Aging-Strategie ist nämlich wesentlich, dass Erkenntnisse existieren, denen zufolge die allgemeine Fähigkeit zu "positivem Denken" im Sinne einer positiven, von Optimismus und Zuversicht geprägten Lebensgrundeinstellung bereits aus sich selbst heraus einer langfristigen Gesunderhaltung des Organismus entgegenkommt.

Weiterhin konnte in Studien gezeigt werden, dass intakte und stabile soziale Bindungen bzw. Kontakte lebensverlängernd wirken.

Antioxidantien

Antioxidantien haben einen positiven Einfluss auf den Alterungsprozess: Sie bekämpfen freie Radikale, aggressive Sauerstoffatome, die Körperzellen nachhaltig schädigen und so für Alterungsprozesse und Krankheiten sorgen. Nehmen die freien Radikale im Körper überhand, wird vom oxidativen Stress gesprochen.

Antioxidantien schützen die Körperzellen, indem sie die schädliche Wirkung freier Radikaler verhindern. Sie können sogar bestimmten Arten von Krebs vorbeugen, da sie die Bildung von krebserregenden Substanzen im Körper blockieren.

Die wichtigsten Radikalfänger sind die Vitamine C und E, Vitalstoffe wie Selen, Co-Enzym Q10 und Alpha-Liponsäure sowie einzelne Pflanzenstoffe wie zum Beispiel Ginkgo biloba oder Grüntee. Eine antioxidative Ernährung wirkt den Schädigungen entgegen, die freie Radikale den Körperzellen zufügen.

Unsere Nahrung enthält jedoch nur selten ausreichend Antioxidantien, um einen optimalen Schutz zu gewährleisten. Daher können Nahrungsergänzungsstoffe in vielen Fällen sinnvoll sein. Besonders ältere Menschen, Sportler und chronisch Erkrankte haben einen grösseren Antioxidantien-Mangel. Aber auch fettreiche und einseitige Ernährung, Stress, Rauchen, Alkohol, Sonneneinstrahlung, körperliche Anstrengung und Umweltverschmutzungen erhöhen den Bedarf an Radikalfängern.

Anti-Aging-Medizin auf wissenschaftlicher Basis

Altern ist keine Krankheit, sondern ein biologischer Prozess, der schon um das 30. Lebensjahr herum einsetzt. Im Laufe der Jahre verschlechtert sich dabei auch die Durchblutung der Organe. Die Folge: Zu wenige Nährsubstanzen gelangen an die Zellen, Giftstoffe werden nur noch unzulänglich abtransportiert und sammeln sich an.

Es entsteht ein Ungleichgewicht, das die Zellen und Organe rascher alt werden lässt. Eine herausragende Rolle spielen dabei aggressive Sauerstoffmoleküle. Als freie Radikale zerstören sie auf chemische Weise lebenswichtige Zellbestandteile.

Anti-Aging - nicht nur ein Schlagwort

Was man kennt, dagegen kann man auch etwas tun. Anti-Aging lautet hier das Stichwort. Plumpe Versprechungen, das Leben zu verlängern, stehen dabei nicht im Vordergrund.

Die Anti-Aging-Medizin entwickelt stattdessen auf wissenschaftlicher Basis Strategien und Massnahmen, mit denen man die Vitalität, die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit und natürlich auch die Gesundheit erhalten kann. "Anti-Aging ist eine Form der Vorbeugung, bei der wir uns darum bemühen, die Lebensqualität der Menschen zu optimieren", erklärt dazu Professor Johannes Huber von der Frauenklinik der Universität Wien.

Orthomolekulare Medizin

Bereits heute nutzbar und daher hoch interessant sind Erkenntnisse der so genannten orthomolekularen Medizin, einem relativ neuen Feld innerhalb der Anti-Aging-Forschung.

Das Ziel der orthomolekularen Medizin ist es, mittels ausgesuchter "Mikronährstoffe" die Widerstandskraft der einzelnen Körperzellen gezielt zu verbessern. Diese Stärkung von Vitalität und natürlicher Abwehrkraft im Detail schützt in der Summe den gesamten Organismus vor schädlichen Einflüssen - Krankheiten lassen sich effektiv behandeln und typische Altersbeschwerden vermeiden.

Neben den bekannten Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen werden in der orthomolekularen Medizin auch weniger bekannte Vitalstoffe eingesetzt, wie etwa Enzyme, Aminosäuren und sekundäre Pflanzenstoffe.

Alterstheorien

Die Erforschung des Alters und der Prozesse, die alle Lebewesen altern lässt - ein Thema, das nicht nur in jüngster Zeit das Interesse von Wissenschaftlern geweckt hat. Die seit Jahrzehnten betriebene Forschung hat bis heute zahllose unterschiedliche Theorien hervorgebracht, die auf unterschiedliche Weise den Alterungsprozess in unserem Körper erklären.

Fünf bekannte Theorien werden hier kurz vorgestellt. Zur Zeit sind die Theorie der freien Radikale und die Hormontherapie die anerkanntesten und am weitesten verbreiteten Theorien des Alterns.

Die Abnutzungs- und Verschleisstheorie

Abnutzung und Verschleiss sind für den Alterungsprozess der Menschen verantwortlich. Nach der Theorie des Amerikaners Raymond Pearl (1879-1940) führt die Aktivität der Organe und jeder Lebensvorgang des Körpers zur Abnutzung und einem Verschleiss, der sich im Laufe der Lebensalter immer mehr bemerkbar macht.

Dabei hat die Lebensweise eine positive oder negative Auswirkung auf das Voranschreiten von Verschleiss und Abnutzung. Also: Je intensiver das Leben, desto schneller sind die körperlichen Folgen sichtbar. Körpereigene Reparatursysteme, die in jungen Jahren einwandfrei funktionieren, lassen im Alter nach - und sorgen so nach aussen sichtbar für Falten, Altersflecken, graue Haare und Gefässablagerungen. Unausweichliche Folge ist der Tod.

Soweit die Theorie. Die Konsequenz daraus wäre: Auf die Welt kommen und möglichst wenig arbeiten und möglichst "wenig leben"? Das kann es doch nicht sein, oder? Sollte unser Herrgott gewollt haben, dass wir leben ohne wirklich zu leben?

Die Hormontheorie

Ein junger Erwachsener hat Mitte 20 die höchsten Blutkonzentrationen vieler seiner Hormone, seine geistige und körperliche Leistungsfähigkeit ist im Zenit. Ab 30 Jahren kommt es zu einem kontinuierlichen Hormonabfall: Mitte 50 haben sich Testosteron um etwa ein Drittel, DHEA um mehr als die Hälfte und Wachstumshormone um zwei Drittel vermindert.

Der permanente Abfall vieler Hormone führt zu Kapazitäts- und Funktionsverlust vieler Körpersysteme, wir welken und schrumpfen - geistig und körperlich. Niedrige Hormonspiegel gelten heute als Ursache vieler altersbedingter Krankheiten und des Alterns schlechthin.

Theorie der freien Radikale

Die Theorie von den freien Radikalen wurde 1954 von dem Wissenschaftler Denham Harman an der Universität von Nebraska aufgestellt. Die Theorie basiert auf der Annahme, dass wichtige Moleküle (kleine Teile, aus verschiedenen Atomen zusammengesetzt) im Organismus bei den normalen Stoffwechselvorgängen im Körper durch die Entstehung freier Radikale geschädigt werden.

Die freien Radikale müssen vom Körper abgebaut werden - durch den Mehraufwand entsteht oxidativer Stress. Die Anhäufung oxidativer Schäden in der Zelle ist schliesslich für deren fortschreitenden Verfall verantwortlich. Dadurch wird der Mensch älter.

Die Hayflick Theorie

Die Hayflick-Theorie ist nach dem Amerikaner Leonard Hayflick von der University of California, San Francisco, benannt. Der Wissenschaftler gilt als Pionier der modernen Altersforschung. Als Mitarbeiter am Wistar-Institut für Anatomie und Biologie in Philadelphia entdeckte er 1962 - zusammen mit seinem Kollegen Paul S. Moorhead - folgendes: Bindegewebszellen, so genannte Fibroplasten, haben eine begrenzte Lebensdauer.

1962 war diese Entdeckung revolutionär: Denn damit wurde die bis dahin gültige Annahme, dass normale menschliche Fibroblasten unbegrenzt teilungsfähig seien, widerlegt. Die Wissenschaftler wiesen nach, dass sich menschliche Zellen etwa 50 Mal während ihrer Lebensdauer teilen, bevor sie nach einer mehr oder weniger langen "postmitotischen Phase" abstarben. Das heisst: Alle Lebensvorgänge haben eine begrenzte Dauer.

Glucose und Alterung

Anthony Cerami, Mitarbeiter am Picower-Institut für Medizinische Forschung in Manhasset, New York, wies die Beteiligung von Glucose(Zuckermoleküle) am Zellalterungsprozess nach. Der Wissenschaftler erforschte, dass sich Glucose mit Proteine bindet. Bei diesen Verbindungen kommt es zu zufälligen Bindungen an beliebigen Stellen.

Das Problem: Durch die Verbindung zweier unterschiedlicher Stoffe entsteht die Schiff`sche Base, das sogenannte Amadori-Produkt. Dieses Produkt ist jedoch nicht unproblematisch: Das Amadori-Produkt kann neue Strukturen bilden, die irreversible Verbindungen mit anderen Molekülen eingehen, sogenannte AGEs (AGEs = advanced glycosylation endproducts).

Schliesslich sind diese Moleküle in der Lage, Querverbindungen zu anderen Molekülen zu bilden. Die Folge: Es kommt zur Versteifung des Bindegewebes, vor allem in den Kollagenfasern in Sehnen, Bändern und Blutgefässen. Und die AGEs sind an der Entstehung arteriosklerotischer Plaques beteiligt.

Das Unsterblichkeitsenzym

Zellbiologen des Medical Centers in Dallas, USA, haben ein Enzym entdeckt, das den Alterungsprozess stoppen kann: die Telomerase. Der Mensch altert und stirbt, weil sich die menschlichen Zellen nicht unbegrenzt erneuern. Im Zellkern befinden sich die Chromosomen, die die Instruktionen für alle Lebensprozesse gespeichert haben. Am Ende der Chromosomen sitzen die Telomere.

Sie enthalten zwar keine genetische Codierung, aber sie überwachen, wie oft sich eine Zelle teilt. Bei jeder Zellteilung entsteht ein bestimmtes Enzym, die Telomerase. Dieses Enzym löst die Telomere nach und nach von den Chromosomen ab. Wenn alle Telomere "verbraucht" sind, kann die Zelle sich nicht mehr teilen und stirbt. Menschliche Zellen können sich ungefähr 100-mal teilen, bevor sie sterben.

Den amerikanischen Zellbiologen Woodring Wright und Jerry Shay ist es jetzt erstmals gelungen, das Enzym Telomerase künstlich herzustellen und die Zellen damit vor dem Verlust der Telomere und vor dem Absterben zu schützen. Im Reagenzglas gelang es, die Chromosomen-Enden mit den genetischen Informationen künstlich zu verlängern.

Alternde Zellen sollen durch eine Übertragung dieses "Unsterblichkeits-Enzyms" verjüngt werden. Die Forscher gehen davon aus, dass man schon in 20 Jahren in der Lage sein wird, die menschliche Lebensspanne beliebig zu manipulieren.

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Quellen:



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