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Hirse – Vitalstoffreich, glutenfrei und leicht bekömmlich

Hirse – Vitalstoffreich, glutenfrei und leicht bekömmlich

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(Zentrum der Gesundheit) – Die Hirse ist ein ganz besonderes Lebensmittel. Lange Zeit war das kleinkörnige Getreide ein wenig in Vergessenheit geraten, erlebt aber seit einigen Jahren wieder sein wohlverdientes Comeback. Denn die Hirse liefert viele wertvolle Nährstoffe, besondere Spurenelemente sowie schützende Antioxidantien. Hirse ist überdies glutenfrei, tut Diabetikern und Zöliakie-Patienten gut, ist leicht bekömmlich und schützt die Darmschleimhaut. Ausserdem findet Hirse bei der Entgiftung des Körpers Anwendung und kann in Form eines Hirsekissens z. B. bei Muskelschmerzen hilfreich sein.

Hirse ist nicht gleich Hirse

Bei der Hirse handelt es sich nicht etwa um eine einzige Pflanzenart, sondern um eine Sammelbezeichnung für 10 bis 12 verschiedene kleinfrüchtige Spelzgetreide-Gattungen, die zahllose Hirsearten umfassen. Sie alle gehören – genau wie der Dinkel, Weizen, Mais etc. – zur Familie der Süssgräser (Poaceae) und weisen viele Gemeinsamkeiten auf.

Abhängig von der Beschaffenheit der Hirsekörner wird grob unterschieden zwischen:
 

  • Sorghumhirsen: Es handelt sich um rund 30 Arten der Gattung Sorghum, z. B. die Mohrenhirse. Sorghumhirsen zeichnen sich durch grössere Körner (17 bis 22 Gramm Tausendkornmasse) sowie höhere Erträge aus und dienen als Lebensmittel und Vogelfutter. Zum Vergleich: Der Weizen hat eine Tausendkornmasse von 40 – 65 Gramm.
  • Millethirsen werden auch als Kleine oder Echte Hirsen bezeichnet. Zu ihnen zählen die meisten Hirsearten, z. B. Rispenhirse, Kolbenhirse, Perlhirse, Fingerhirse und Zwerghirse (Teff). Die kleinen Körner (rund 5 Gramm Tausendkornmasse) werden von Mensch und Tier gleichermassen geschätzt. Zur Lebensmittelgewinnung für den Menschen wird u. a. in Europa hauptsächlich die Rispenhirse kultiviert.
     

Gelbe Hirse liefert Beta-Carotin, rote Hirse versorgt mit Anthocyanen

Hirse gibt es in vielen unterschiedlichen Farben: Gelb, Weiss, Rot, Braun und fast Weiss. Interessant ist hierbei, dass man schon anhand der Färbung des Hirsekorns einiges über dessen Inhaltsstoffe erfahren kann. So weist die gelbe Farbe der Goldhirse darauf hin, dass in ihr Beta-Carotin steckt, in roten Sorten sind hingegen Anthocyane (Flavonoide) enthalten.

Während Carotinoide besonders reichlich bei einem trockenen, heissen Klima gebildet werden so eine Studie an der Wayamba University of Sri Lanka, die zeigte: Je trockener das Klima, desto stärker die antioxidative Wirkung – steigt in kühlen und feuchten Jahren der Gehalt an Kohlenhydraten.

Das Hirsekorn nimmt im letzteren Falle eine hellere, weissliche Farbe an. Durchscheinende bzw. glasige Hirsekörner sind ein Zeichen für einen erhöhten Eiweissgehalt. Grundsätzlich gilt, dass rote und braune Hirsekörner mehr Antioxidantien enthalten als andersgefärbte.

Hirse: Grundnahrungsmittel in vielen Ländern

In Asien und Afrika gilt die Hirse seit Jahrtausenden als unverzichtbares Grundnahrungsmittel. Rund 90 Prozent der Welternte werden dort produziert – insbesondere in Ländern wie Indien, Nigeria und Niger. Denn die Hirse-Pflanzen haben den grossen Vorteil, dass sie überaus anspruchslos sind, selbst auf kargen Böden gedeihen, gegen Trockenheit gewappnet sind und eine sehr kurze Vegetationszeit (rund 100 Tage) aufweisen. Ernteausfälle kommen deshalb höchst selten vor.

In Europa fristen die kleinen Körner im Vergleich zu anderen Getreiden wie Weizen und Mais schon seit längerer Zeit ein Schattendasein – was jedoch nicht immer so war.

Hirse: Ein Blick in die Geschichte

Die Hirse gehört zu den ältesten Getreidearten und wurde schon in der Steinzeit von Nomaden und Halbnomaden als Nahrungsmittel genutzt. Bei archäologischen Ausgrabungen in China wurden Körner der Rispen- und Kolbenhirse entdeckt, die auf 7.000 bis 8.000 Jahre v. Chr. datiert wurden. Laut Forschern von der Kiel University dürfte die Hirse in Fernost domestiziert worden sein und gelangte über die Sei­den­stra­sse nach Mit­tel­eu­ro­pa.

Im Altertum wurde die Hirse in Asien und Europa bereits flächendeckend angebaut und sicherte in vielen Kulturkreisen die menschliche Ernährung. Sie wurde als ein Symbol für Fleiss und Fruchtbarkeit angesehen, daraus entwickelte sich der Brauch, die Braut mit Hirsekörnern zu bewerfen.

Im mittelalterlichen Deutschland zählten die Rispenhirse und die Kolbenhirse zu den Hauptgetreidearten. Die Hirsekörner wurden zu Brot oder Brei verarbeitet und galten zwar als einfache und stark sättigende, aber dennoch wohlschmeckende und beliebte Mahlzeit. Die Bezeichnung "Frucht des armen Mannes" rührt daher, dass in Städten grosse Mengen an Hirsekörnern als Notreserve eingelagert wurden. Wenn es zehn Jahre lang zu keiner Hungersnot kam, wurden sie als Almosen verteilt.

Im 17. Jahrhundert verlor der Hirseanbau in Europa aufgrund der Einführung neuer Feldfrüchte wie Kartoffeln und Mais an Bedeutung. Zudem wurde die Hirse von anderen Getreidearten wie Weizen und Roggen zurückgedrängt, da deren Hektarertrag deutlich höher ist. Dies führte dazu, dass die Hirse im Laufe des 18. Jahrhunderts den Status eines zweitrangigen Getreides bekam und nach und nach in Vergessenheit geriet.

Erst im 21. Jahrhundert erlebte die Hirse in Europa schliesslich eine Renaissance und ist inzwischen aufgrund ihres ernährungsphysiologischen Wertes immer öfter auf den Speisezetteln gesundheitsbewusster Menschen zu finden.

Lange beruhte das Angebot ausschliesslich auf Importen aus Ländern wie den USA, Kanada und China, doch mittlerweile haben zahlreiche europäische Landwirte das vergessene Getreide für sich entdeckt und bauen die Rispenhirse z. B. in Brandenburg (Deutschland), in Niederösterreich (Österreich) oder im Zürcher Oberland (Schweiz) wieder an.

Hirse kommt immer geschält in den Handel

Hirse ist – wie auch der Hafer, die Gerste und der Reis – ein Spelzgetreide und muss deshalb von den Spelzen und der harten, kieseligen Fruchtschale befreit werden, um für den Verzehr geeignet zu sein. Die Hirsekörner werden im Ganzen angeboten, aber auch zu Mehl, Griess oder Flocken verarbeitet.

Wenn man es sehr genau nimmt, ist Hirse also kein Vollkornprodukt. Dementsprechend ist der Ballaststoffgehalt niedriger. Da aber die Nährstoffe im gesamten Hirsekorn verteilt sind und sich nicht wie bei anderen Getreidearten vorwiegend in den Randschichten (Frucht- und Samenschale) befinden, ist die geschälte Hirse durchaus mit Vollkorngetreide vergleichbar.

Goldhirse und Braunhirse: Der Unterschied

Sowohl bei der Gelbhirse als auch bei der Braunhirse handelt es sich in der Regel um Formen der Rispenhirse, die sich aufgrund ihrer Farbe voneinander unterscheiden. Während das Korn der Gelbhirse goldgelb ist und deshalb auch als Goldhirse bezeichnet wird, reichen die Farbtöne der Braun- bzw. Rothirse von Rotorange zu Rot bis hin zu Braun und Schwarz.

Doch es gibt einen weiteren, entscheidenden Unterschied: Die Braunhirse wird zwar ebenfalls entspelzt, ist aber – anders als die Goldhirse – nicht zum Schälen geeignet, da der Mehlkörper und die Schale fest miteinander verbunden sind. Die ganzen Körner werden mit Spezialmühlen (z. B. Zentrophanmühlen) samt der harten Schale sehr fein zu Mehl gemahlen. Dieses kann in kleinen Mengen (etwa 1 bis 2 Esslöffel pro Tag) prima roh verwendet werden, um Müslis oder Smoothies aufzuwerten oder beim Kochen bzw. Backen zum Einsatz kommen.

Gegenüber der Goldhirse hat die Braunhirse somit den Vorteil, dass es sich in der Tat um ein Vollkornprodukt handelt. In Braunhirse stecken deshalb noch mehr Ballast- sowie Vitalstoffe und eine grössere Portion Kieselsäure (Silicium), die allesamt an den äusseren Randschichten haften. Mehr Wissenswertes dazu finden Sie hier: Braunhirse – Silicium vom Feinsten.

Nichtsdestotrotz muss sich die Goldhirse in puncto Nährstoffgehalt keineswegs hinter der Braunhirse verstecken, zumal davon ja auch grössere Mengen verzehrt werden können, was bei der Braunhirse nicht der Fall ist.

Hirse: Die Makronährstoffe

Schon der Begriff "Hirse" deutet darauf hin, dass es sich um ein sehr nährstoffreiches Getreide handelt. Denn er stammt aus dem Indogermanischen und bedeutet so viel wie Sättigung und Nahrhaftigkeit. Hirsegerichte sättigen in der Tat lange, obgleich 100 Gramm gekochte Goldhirse – entspricht etwa 40 Gramm roher Goldhirse – gerade einmal 114 Kilokalorien enthalten.

Das Nährstoffprofil gestaltet sich, ebenfalls bezogen auf 100 Gramm gekochte Goldhirse, wie folgt:
 

  • 70 g Wasser
  • 3,5 g Eiweiss
  • 1,4 g Fett
  • 22 g Kohlenhydrate
  • 1,5 g Ballaststoffe
     

Hirse: Die Mikronährstoffe 

Hirse enthält zahlreiche Mineralstoffe und Spurenelemente, von denen nachfolgend jene genannt werden, die in relevanten Mengen in der Hirse enthalten sind. In nur 100 Gramm gekochter Goldhirse stecken z. B. rund:
 

  • 70 mg Magnesium (23,5 Prozent der RDA): Ist für die Funktionen von Muskeln und Nerven unabdingbar.
  • 3 – 3,5 mg Eisen (22 Prozent der RDA): Ist wichtig für den Sauerstofftransport und die Speicherung von Sauerstoff in der Muskulatur. Wird Hirse mit Vitamin-C-haltigen Lebensmitteln kombiniert, kann die Resorption des Eisens deutlich gesteigert werden.
  • 335 µg Kupfer (22 Prozent der RDA): Das Antioxidans ist unentbehrlich für den Zellstoffwechsel und das Bindegewebe.
  • 85 µg Vitamin B1 (6 Prozent der RDA): Ist unerlässlich für den Stoffwechsel, die Muskeln und die Nerven, stärkt die Konzentration und die körperliche Konstitution.
  • 530 µg Vitamin B3 (3 Prozent der RDA): Beeinflusst die Blutfette positiv, senkt das schlechte LDL-Cholesterin und wirkt Unruhe, Schlafstörungen und Depressionen entgegen.
  • 236 µg Vitamin B5 (4 Prozent der RDA): Das Schönheitsvitamin sorgt für schöne Haut und gesundes Haar, wirkt gegen Entzündungen und hilft bei der Stressbewältigung.
  • 162 µg Vitamin B6 (8 Prozent der RDA): Stärkt das Nerven- und Immunsystem und ist essenziell für die Eiweissverwertung.
  • 0,14 mg Kieselsäure (Silicium): Für gesunde Knochen und Zähne, für schönes Haar, gesunde Haut, Nägel und ein gesundes Bindegewebe; Goldhirse ist also nicht annähernd so siliciumreich, wie gerne behauptet wird, was daran liegt, dass sie geschält wird und damit der Hauptsiliciumgehalt entfernt wird. Gute Siliciumlieferanten sind hingegen die Braunhirse oder auch der Hafer.
     

Natürliches Eisen für gesundes Blut

Hirse ist insbesondere eine sehr gute Eisen- und Magnesiumquelle. In Sachen Eisen zählt sie zu den Spitzenreitern gegenüber anderen Getreidearten. So enthält das wertvolle Getreide zwei bis dreimal mehr Eisen als Weizen und liefert damit einen optimalen Beitrag für die Blutbildung.

Täglich 100 Gramm gekochte Hirse decken mit ca. 3,5 mg Eisen bereits ein Viertel des menschlichen Eisenbedarfs. Eisen hat im Körper aber noch andere Aufgaben zu erfüllen. So hilft das Spurenelement beim Sauerstofftransport, bei der Energiegewinnung und bei der Zellteilung.

Für die Erfüllung all dieser vielfältigen Aufgaben ist eine ausreichende Eisenaufnahme für den Körper wichtig. Auch bei chronischer Müdigkeit ist Eisen ein wichtiger Helfer. Damit das Eisen vom Körper besser aufgenommen werden kann, sollten Vitamin-C-reiche Lebensmittel dazu gegessen werden, z. B. Brokkoli- oder Paprikagemüse oder Salate.

Hirse ist gut für Diabetiker

Kanadische Forscher von der Memorial University of Newfoundland sind der Auffassung, dass Hirse der postprandialen Hypoglykämie und somit auch einer überhöhten Insulin-Sekretion entgegenwirken kann. Eine indische Studie an der University of Agricultural Sciences hat gezeigt, dass Hirse für Patienten mit Diabetes Typ 2 eine sehr hilfreiche Mahlzeit ist: Die 28-tägige Hirsekur (siehe weiter unten), die in der Studie getestet wurde, sorgte für eine signifikante Senkung des Blutzuckerspiegels und einen Anstieg des guten HDL-Cholesterins.

Hirse ist glutenfrei und schützt die Darmschleimhaut

Hirse enthält fast genauso viel Eiweiss wie Weizen, hat dabei aber den grossen Vorteil, dass sich in ihr kein Gluten befindet (Getreideprotein, das im Weizen, in Dinkel, Roggen usw. enthalten ist), was insbesondere für Menschen interessant ist, die an an einer Zöliakie oder an einer nicht-zöliakischen Glutensensitivität leiden.

Studien haben gezeigt, dass Weizen immer mehr Menschen zu schaffen macht. So hat sich laut einem italienischen Forscherteam von der Università Politecnica delle Marche das Auftreten der Zöliakie in den letzten 25 Jahren verfünffacht. Zu den Ursachen zählen zum einen Essgewohnheiten – der Verzehr von Weizen hat zugenommen – und zum anderen die Züchtung extrem glutenreicher Weizensorten.

Eine Studie niederländischer Wissenschaftler vom Leiden University Medical Center hat ergeben, dass die Zwerghirse – also Teff – den Zöliakie-Patienten besonders gut tut. Von rund 1.830 Studienteilnehmern, die Teff konsumierten, litten lediglich 17 Prozent an klinischen Symptomen, während mehr als 60 Prozent jener Patienten, die nie auf Teff zurückgriffen, sehr wohl Beschwerden hatten, obgleich sie sich glutenfrei ernährten.

Teff scheint also eine heilende Wirkung auf die angegriffene Darmschleimhaut zu haben, was u. a. auf den besonders hohen Ballaststoffgehalt dieser Hirseart zurückgeführt wird. Mehr interessante Infos finden Sie hier: Teff – Das glutenfreie Power-Korn.

Hirse ist sehr reich an sekundären Pflanzenstoffen

Laut einer Studie an der Bharathiar University in Indien hat Hirse antioxidative und antimikrobielle Eigenschaften und wirkt Leiden wie Diabetes, Gefässverkalkung und Krebs entgegen. Dies wird unter anderem auf ihre sekundären Pflanzenstoffe zurückgeführt.

Dazu zählen vordergründig diverse Polyphenole, darunter Phenolsäuren, Flavonoide und Tannine (Gerbstoffe) sowie Phytinsäure und Oxalsäure.

Hirse ist wirklich eine ausserordentlich gute Quelle für sekundäre Pflanzenstoffe und wird vonseiten der Wissenschaft in Bezug auf ihre antioxidative Wirkung sogar mit Obst und Gemüse gleichgesetzt. Besonders reich an sekundären Pflanzenstoffen ist die Braunhirse, da diese vermehrt in den Randschichten des Korns zu finden sind.

Hirse und die Phytinsäure

Manche der in der Hirse enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe haben leider keinen guten Ruf. Tannine sollen beispielsweise Eiweiss binden und somit dessen Bioverfügbarkeit mindern sowie die Stärkeverdauung hemmen, während Phytinsäure und Oxalsäure Mineralstoffe wie z. B. Eisen und Calcium binden. Aus diesem Grund wird häufig kurzerhand vom Verzehr der Hirse – insbesondere der Braunhirse – abgeraten.

Fakt ist aber, dass Tannine insbesondere in bestimmten Sorghumhirsen enthalten sind, die vordergründig in afrikanischen Ländern angebaut und gegessen werden. Auch kommen durch sekundäre Pflanzenstoffe verursachte Mangelerscheinungen praktisch nur in Entwicklungsländern vor, in denen sich die Menschen fast ausschliesslich von Getreide ernähren müssen – einfach deshalb, weil sie gar keine anderen Lebensmittel zur Verfügung haben.

Die Kritik hält aber auch deshalb nicht stand, da Braunhirse ohnehin nur in kleinen Mengen verzehrt wird und der Gehalt in der Goldhirse gar nicht ausreichen würde, um sich negativ auf die Gesundheit auszuwirken. Im Gegenteil. Studien haben gezeigt, dass die in gesunden und richtig zubereiteten Lebensmitteln enthaltenen Mengen an Phytinsäure und Oxalsäure Krebszellen zu Leibe rücken, während Tannine antiviral und antibakteriell wirken. Die angeblich so schädlichen Stoffe sind also gar nicht schädlich. Sie wären es u. U. nur, wenn man nur noch von Hirse leben wollte.

Zudem besteht die Möglichkeit, den Gehalt an Tanninen, Phytinsäure und Oxalsäure durch die Zubereitungsart der Hirse zu beeinflussen. Denn diese Stoffe werden teilweise nicht nur durch das Erhitzen, sondern ebenso durch das Einweichen, Fermentieren und Keimen reduziert.

Aus der geschälten Goldhirse können leider keine Sprossen gezogen werden, sehr wohl aber aus den Braunhirsekörnern. Eine Anleitung finden Sie in unserem bereits erwähnten Braunhirse-Text: Braunhirse – Silicium vom Feinsten.

Schadet Hirse der Schilddrüse?

Im Zusammenhang mit der Schilddrüsengesundheit wird an mancher Stelle ebenfalls vom Hirseverzehr abgeraten, da die Hirse angeblich der Schilddrüse schaden soll. Dies wird auf cyanogene Glycoside (Dhurrin) zurückgeführt, die bei der Spaltung Blausäure freisetzen, dadurch den Jodstoffwechsel beeinträchtigen und in Folge zu einer Vergrösserung der Schilddrüse (Kropf) führen können. Aus diesem Grunde wird Hirse einfach zu den goitrogenen, also kropfbildenden Lebensmitteln gezählt, die – insbesondere bei einer Schilddrüsenunterfunktion – gemieden werden sollten.

Dabei nimmt sich aber kaum jemand die Mühe, etwas näher auf diese etwas komplizierte Thematik einzugehen. Denn ob Hirse nun tatsächlich Dhurrin enthält, ist nicht nur von der Hirseart, sondern auch von der jeweiligen Hirsesorte abhängig. In der wissenschaftlichen Literatur wird von Dhurrin in erster Linie im Zusammenhang mit Perlhirse und Sorghumhirsen (z. B. Sorghum bicolor), nicht aber bezüglich der Rispenhirse berichtet, die in Europa auf den Teller kommt.

Abgesehen davon gibt es zahllose Sorghum-Sorten, die – immer abhängig von der Genetik der Pflanzen – gar kein oder nur wenig Dhurrin enthalten. Am wenigsten betroffen sind hierbei übrigens Sorten mit gelben Körnern. Dies erklärt auch, warum es in bestimmten Regionen Afrikas, beispielsweise im Sudan, sehr häufig zu einer Kropfbildung kommt und in anderen Regionen gar nicht.

Dazu kommt, dass das häufige Auftreten diesbezüglicher Schilddrüsenerkrankungen nicht allein auf den Konsum von Hirse zurückgeführt wird, sondern von diversen weiteren Faktoren wie Jodmangel, Unterernährung und einseitiger Ernährung mitbestimmt wird – also Faktoren, die in den ärmsten Ländern unserer Erde, nicht aber in der reichen "westlichen Welt" zusammentreffen.

Es ist also nicht sinnvoll, im Zusammenhang mit der Schilddrüse vor Hirsegerichten zu warnen. Denn selbst wenn man regelmässig eine Hirsesorte kaufen bzw. essen würde, die Dhurrin enthält, würde die Menge keinesfalls ausreichen, um davon (schilddrüsen)krank zu werden!

Hirse in der Volksheilkunde

Die Hirse gilt nun schon seit Tausenden von Jahren nicht nur als geschätztes Lebensmittel, sondern ist ausserdem eine uralte Heilpflanze, die in der traditionellen Volksheilkunde auch heute noch zum Einsatz kommt. Dass Hirse zur Schönheit der Haut, Haare und Nägel beitragen kann, ist längst kein Geheimnis mehr, überdies wirkt sie aufbauend, wärmend, verjüngend, nervenstärkend, entwässernd, entgiftend und entzündungshemmend. Zu den Anwendungsbereichen zählen u. a.:
 

Bei Erkrankungen der Atemwege ist die Hirse im Gegensatz zu anderen Getreidearten wie Weizen oder Dinkel deshalb ein sehr guter Helfer, da sie bei empfindlichen Menschen nicht schleimbildend wirkt. Zudem soll Hirse bei jahreszeitlichd bedingten Depressionen helfen, man bezeichnete sie daher bereits im Mittelalter als das "fröhliche Getreide".

Hirsekissen für die Wärme- und Kältetherapie

Äusserlich kann Hirse in Form eines Körnerkissens angewandt werden. Schlagen Sie hierfür die kleinen Körner einfach in Stoff ein und erwärmen Sie sie bei 100 Grad bis maximal 15 Minuten auf der unteren Schiene des Backofens in einem Teller oder legen Sie sie zum Abkühlen in das Eisfach. Zu den Anwendungsbereichen zählen Verspannungen, Muskelschmerzen, Verstauchungen, Prellungen, Menstruationsbeschwerden sowie müde und schwere Augen.

Hirsekörner zeichnen sich durch optimale Speichereigenschaften aus: Die gewünschte Temperatur lässt sich deshalb durchgängig halten und längere Zeit speichern. Während Wärmeanwendungen die Durchblutung steigern und eine muskelentspannende Wirkung entfalten, wirken Kälteanwendungen entzündungshemmend. Informieren Sie sich unbedingt bei Ihrem Arzt oder Heilpraktiker, welche Anwendung – ob warm oder kalt – bei Ihrem Leiden infrage kommt.

Im Vergleich zu Körnerkissen haben Wärmflaschen aus Gummi bei direktem Hautkontakt den Nachteil, dass der Körper mit Chemikalien belastet wird und – insbesondere bei Kindern – die Gefahr einer Verbrennung besteht. Dazu kommt, dass beim Erwärmen der Körner Feuchtigkeit aus den Körnern freigesetzt wird, sodass die Wärme tiefer eindringt als mit einer Wärmflasche.

Hirsekur: Entgiftung des Organismus

Das Positive an der Hirse ist, dass Sie sie nur regelmässig essen müssen, um von ihrer Heilkraft zu profitieren. Doch auch konkrete Hirsekuren werden in der Volksheilkunde bei allerlei Leiden empfohlen, da dadurch der Körper sanft von Giften befreit und gestärkt werden soll, was sich wiederum positiv auf den Geist und die Seele auswirke.

Abgesehen von den bereits erwähnten Beschwerden gilt die Hirsekur als eine gute Therapie bei Myomen (gutartige Geschwulste in oder an der Gebärmutter). In der traditionellen Heilkunde werden Myome wie auch Zysten und Polypen als eine Notreaktion auf eine zu hohe toxische Belastung verstanden. So kann die Entgiftung über die Monatsblutung durch die Einnahme der Pille behindert werden. Dies wiederum führe zu einer stärkeren Belastung des Gebärmuttergewebes mit Giftstoffen. Eine Entgiftung mithilfe der Hirse könne hier sinnvoll sein.

Bei einer Hirsekur wird für 7 Tage zu 70 Prozent nur Hirse und zu 30 Prozent rohes und/oder gedünstetes Gemüse und Obst verzehrt. Dazu bereitet man am Morgen die gesamte Hirse-Tagesration zu. Erlaubt sind ausserdem natürliche Gewürze und hochwertige, kaltgepresste pflanzliche Öle. Es gibt demnach viele Möglichkeiten, um die Hirse schmackhaft zuzubereiten, sodass keine Langeweile auftritt.

Wichtig ist, dass Sie ausreichend trinken, also täglich 2 bis 3 Liter Wasser und ungesüssten Kräutertee. Heilpflanzen wie z. B. die Brennnessel, die Birke oder die Mariendistel unterstützen die Entgiftung.

Sollte Ihnen eine ganze Woche zu lange erscheinen, können Sie auch einmal pro Woche einen Hirsetag einplanen, an dem es morgens, mittags und abends ein Hirsegericht gibt.

Hirse kaufen

Es ist inzwischen kein Problem mehr, hochwertige Hirse zu kaufen. In Ihrem Reformhaus, Bioladen oder Supermarkt werden Sie bestimmt fündig. Setzen Sie beim Kauf am besten auf Bio-Hirse aus Ihrer oder einer benachbarten Region. Neben den Hirsekörnern gibt es noch eine Reihe von weiteren Produkten wie z. B.:
 

  • Hirseschrot: Die grob zerkleinerten Hirsekörner sind ideal für die Herstellung eines leckeren Frühstücksbreis.
  • Hirseflocken: Die gepressten und gedämpften Hirsekörner sind im Falle einer Glutenunverträglichkeit bzw. Glutensensitivität eine tolle Alternative für glutenhaltige Getreideflocken.
  • Hirsemehl: Die gemahlenen Hirsekörner eignen sich bestens für Muffins, Fladenbrote oder Pfannkuchen.
  • Hirsespelzen dienen zwar nicht zum Verzehr, wohl aber als gesundheitsfördernde Kissenfüllung. Da sie klein und beweglich sind, geben sie unter dem Druck von Kopf und Nacken nach. Dadurch passen sie sich bei jeder Kopfwendung neu an und wirken Verspannungen entgegen. Die Hirsespelzen sollten alle 2 Jahre ausgewechselt werden.
     

Hirse: Die Lagerung

Lagern Sie Ihre Hirse am besten trocken, kühl und lichtgeschützt. Es ist wichtig, die Packungen nach dem Öffnen jedes Mal wieder gut zu verschliessen. Hirsemehl kann in dicht schliessenden Gefässen wie Gläsern oder Edelstahldosen aufbewahrt werden.

Hirse ist jedoch aufgrund ihres verhältnismässig hohen Fettgehalts nicht besonders lange lagerfähig. Aus diesem Grunde sollten Sie Hirseprodukte nicht in grösseren Mengen kaufen und nach dem Öffnen der Verpackung möglichst schnell aufbrauchen. Achten Sie auf das Mindesthaltbarkeitsdatum. Gekochte Hirse kann etwa 3 Tage im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Hirse: Was ist vor der Zubereitung zu beachten?

Beim Entspelzen von Hirse kann es nicht komplett vermieden werden, dass der Keimling leicht beschädigt wird. Infolgedessen legt sich das Keimöl wie ein dünner Mantel um das Hirsekorn. Dieses Öl ist zwar hochwertig, aber auch sehr empfindlich gegenüber Sauerstoff und oxidiert leicht. Dies führt dazu, dass die Hirse etwas bitter schmecken kann. Wenn Sie die Hirsekörner aber vor der Zubereitung in einem feinen Sieb mit heissem Wasser abspülen, werden die Ölspuren und auch der bittere Geschmack sicher entfernt.

Hirse: Die Zubereitung

Die Zubereitung von Hirse ist zwar sehr einfach und mit wenig Aufwand verbunden, dennoch gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. So kann die Hirse vor dem Kochen für einige Stunden oder über Nacht eingeweicht werden, um Stoffe wie die Phytinsäure zu reduzieren. Das Einweichwasser wird dann weggeschüttet. Nachteilig ist, dass auf diese Weise auch andere wasserlösliche Inhaltsstoffe wie die Vitamine der B-Gruppe im Abguss landen.

Sie können Hirse pur oder wie einen Risotto zubereiten, indem Sie zuerst die fein geschnittene Zwiebel, übrige Zutaten und die Hirse etwas anschwitzen und dann mit der doppelten bis dreifachen Menge Wasser oder Brühe aufgiessen. Lassen Sie die uneingeweichte Hirse etwa 15 Minuten köcheln, schalten Sie dann auf eine kleine Stufe zurück und lassen Sie sie 20 Minuten zugedeckt ausquellen. Vermeiden Sie es, die Hirse während des Quellvorganges umzurühren, da sie ansonsten pappig wird.

Hirse kann auch im Dampfgarer bei 100° C ca. 35 Minuten gegart werden. Wurde sie über Nacht eingeweicht, genügt eine Kochzeit von 5 bis 10 Minuten. Die Quellzeit bleibt bei 20 Minuten.

Hirse in der Küche – Eine kulinarische Bereicherung

Hirse findet aufgrund ihres gesundheitlichen Werts, ihres aromatischen, nussigen Geschmacks und ihrer Vielfalt in der Küche immer mehr Anhänger. Ob süss, sauer oder pikant: Hirse ist ein Alleskönner und kann mit Gemüse und Obst wunderbar kombiniert werden.

Das ganze Hirsekorn, aber auch Hirseschrot und Hirseflocken sind ideal, um ein gesundes Frühstück zu kreieren, z. B. in Form eines Müslis oder eines süssen Hirsebreis, der mit Früchten nach Wahl aufgepeppt wird. Sie können Hirse ausserdem als Beilage verwenden, beispielsweise zum Gemüsecurry, in den bunten Salat oder die Suppe mischen, eine Füllung für Gemüse wie Paprika oder Zucchini oder einen herzhaften Auflauf zaubern. Auch in Eintöpfen macht sich die Hirse gut – oder wie wäre es mit Hirsebratlinge oder einem schmackhaften "Hirsotto" – als Alternative zum Risotto?

Da Hirsemehl kein Gluten enthält, hat es zwar nicht dieselben Backeigenschaften wie z. B. Weizenmehl, was aber nicht bedeutet, dass es sich nicht zum Backen eignen würde! Denn Sie können Hirsemehl prima verwenden, um z. B. Fladenbrote oder Pfannkuchen herzustellen.

Wenn Sie allerdings gesäuertes Brot, einen Kuchen oder Pizza backen möchten, empfiehlt es sich, das Hirsemehl mit einem glutenhaltigen Mehl (z. B. Dinkelmehl) zu mischen. Liegt der Hirsemehl-Anteil bei 20 bis 30 Prozent, müssen Sie an Ihrem geliebten Originalrezept nicht einmal etwas verändern.

Sie sind auf der Suche nach leckeren Hirserezepten? Lassen Sie sich doch einfach von unseren Vorschlägen inspirieren:
 

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Nachkochen und einen ausgezeichneten Appetit!

Hier finden Sie unsere Kochfilme bei YouTube

Quellen:


Ausbildung zum Ernährungsberater an der Akademie der Naturheilkunde


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