Tomatenanbau: Ausbeutung von Mensch und Natur
Ernährung

Tomatenanbau: Ausbeutung von Mensch und Natur

  • Autor: Carina Rehberg
  • aktualisiert: 26.07.2018
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Tomatenanbau: Ausbeutung von Mensch und Natur
© istockphoto.com/typhoonski

Tomaten aus dem beheizten Treibhaus verbrauchen pro Kilo über 9 Kilogramm Kohlendioxid. Auch der hohe Wasserverbrauch in ohnehin wasserarmen Herkunftsländern wie Spanien sorgt für massive ökologische Nachteile. Überdies sind die Arbeitsbedingungen in Südeuropa eine Katastrophe – es wird nicht grundlos von moderner Sklaverei gesprochen. Wer also einen Beitrag zu Nachhaltigkeit und Umweltschutz leisten und sich nicht an der Ausbeutung von Erntehelfern beteiligen möchte, setzt auf saisonale Tomaten aus der Region.

Tomatenanbau in der gläsernen Stadt

Die Tomate ist im deutschsprachigen Raum die beliebteste Gemüseart. Laut Statistik isst jeder Deutsche pro Jahr rund 10 Kilogramm von der leckeren Frucht. Dazu gesellen sich weitere 10 Kilogramm Tomatenprodukte. Da der Anbau im Inland bei weitem nicht ausreicht, um den Bedarf zu decken, werden jährlich über 700.000 Tonnen Tomaten importiert.

Die Import-Tomaten stammen laut Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in erster Linie aus EU-Ländern, vordergründig aus den Niederlanden, Spanien, Belgien und Italien, ferner auch aus Marokko. Da es den Tomaten im hohen Norden an Sonne und Wärme mangelt, werden sie in zwei- bis dreistöckigen Gewächshäusern angebaut – soweit das Auge reicht. Das niederländische Westland wird deshalb schon als „gläserne Stadt“ bezeichnet.

Lange Zeit waren die Hollandtomaten zu Recht als geschmacklose Wasserbomben verschrien, hierbei hat sich in den letzten Jahren zumindest einiges getan. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass beim Heizen von Gewächshäusern extrem viel CO2 freigesetzt wird. Satte 9 Prozent der niederländischen Energie werden mittlerweile im Glasgartenbau verbraucht.

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Tomaten aus dem Plastikmeer

Viele Verbraucher denken, dass es sich bei südländischen Tomaten automatisch um Freilandgemüse handelt, was leider nicht stimmt. So findet sich in Südspanien die grösste Anbaufläche unter Folie auf der Welt. 36.000 Hektar sind in der Provinz Almería inzwischen mit Plastik überzogen, weshalb sie auch „mar del plástico“ (Meer aus Plastik) genannt wird.

In diesem Plastikmeer werden jährlich rund 3 Millionen Tonnen Treibhausgemüse – hauptsächlich Tomaten, Paprika und Gurken – produziert. Ein Drittel davon wird nach Deutschland exportiert. Problematisch ist, dass in dieser Wüstenregion aufgrund fehlender Regenfälle ohne eine intensive Bewässerung kaum ein Halm, geschweige denn zahllose Gemüsepflanzen wachsen könnten.

Man greift daher auf das Grundwasser zurück, das sich laut WWF in dem Mass, wie es genutzt wird, gar nicht mehr erholen kann. Die Entnahmen sind dreimal so hoch als das, was durch Regenfälle wieder nachfliesst. Die spanische Umweltschutzorganisation Ecologistas en Acción gab an, dass bereits ganze 80 Prozent des Nutzwassers auf die Landwirtschaft entfallen.

Tomatenanbau: Europas neue Sklaven

Überdies arbeiten in diesen Anlagen vordergründig afrikanische Migranten, aber auch Menschen aus Osteuropa unter katastrophalen Bedingungen. Etwa die Hälfte von ihnen hat keine Aufenthaltsgenehmigung und arbeitet ohne Arbeitsvertrag zu Hungerlöhnen – ein Stundenlohn von 2 Euro ist keine Seltenheit. Die Erntehelfer hausen in Plastikhütten, ohne Strom und Wasser, oft stehen ihnen nicht einmal sanitäre Anlagen zur Verfügung.

Doch Zustände wie diese sind nicht nur in Spanien alltäglich. Ein Grossteil der italienischen Landwirtschaft lebt mittlerweile schon von der Ausbeutung afrikanischer Migranten. Für das Ernten von 350 Kilo Tomaten bekommen sie zwischen 2 und 3 Euro. Viele Landbesitzer sind Mafiosi und aus Angst vor Vergeltung wird das Unrecht totgeschwiegen. Spätestens jetzt sollte klar sein, warum Freilandtomaten aus Ihrer Region die besten Tomaten sind.

Setzen Sie auf Nachhaltigkeit und beteiligen Sie sich nicht länger an Umweltzerstörung und Ausbeutung. In Bioläden und auf Bauernmärkten finden Sie von Juli bis Oktober köstliche Freilandtomaten und im Winter gibt es genügend andere Gemüsearten, die wunderbar schmecken. Greifen Sie ausserdem zu Tomaten aus Bio-Anbau, da konventionell erzeugte Tomaten meist Pestizidrückstände aufweisen.

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