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Long Covid - Natürliche Mittel

Bei Long Covid bleiben bestimmte Symptome nach einer akuten Covid-19-Infektion noch Wochen oder Monate bestehen, etwa Husten und Erschöpfung, andere Symptome bilden sich neu, z. B. Konzentrationsstörungen, Angstzustände oder nachlassende Leistungsfähigkeit. Wir stellen natürliche Mittel vor, die bei Long Covid und dem Post-Covid-Syndrom helfen können.

Fachärztliche Prüfung: Gert Dorschner
Aktualisiert: 16 April 2024

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Long Covid und Post-Covid-Syndrom: Was ist das genau?

Wenn innerhalb von 4 Wochen nach der akuten Phase einer Covid-19-Infektion immer noch Symptome vorhanden sind oder gar neu entstehen, dann spricht man von Long Covid. Wenn Sie Symptome auch noch 12 Wochen und länger nach einer akuten Covid-19-Infektion haben, dann spricht man von einem Post-Covid-Syndrom.

Nach internationaler Studienlage leidet mindestens die Hälfte der erwachsenen Post-Covid-Betroffenen mehr als 12 Monate lang an den entsprechenden Beschwerden, davon wiederum 20 Prozent mit so schweren Symptomen, dass sie den Alltag nur noch eingeschränkt bewältigen können ( 1 ).

Im Englischen werden diese nach der Akutphase auftretenden Symptome (Residualsymptome) auch unter der Abkürzung PASC zusammengefasst. PASC steht für post-acute sequelae of COVID-19, was mit postakute Folgeerscheinungen der SARS-CoV-2-Infektion übersetzt wird.

Es kann dabei nach der akuten Erkrankung auch zunächst aufwärts gehen, bevor es dann erst später, z. B. drei Monate nach der Akutphase plötzlich mit den entsprechenden Symptomen losgeht. Wenn der Infekt bei manchen Menschen nicht einfach verschwindet und es stattdessen zu langwierigen Beschwerden kommt, geht man davon aus,

  1. dass die Viren wenigstens zum Teil im Körper verblieben sind (Viruspersistenz),
  2. dass sich eine chronische Entzündung entwickelt hat,
  3. dass Autoimmunprozesse in Gang gesetzt wurden und
  4. dass sich Stoffwechselstörungen sowie Gefäßfunktionsstörungen entwickelt haben.

Entsprechend unterschiedlich und zahlreich können die Symptome von Long Covid sein.

Symptome bei Long Covid

Zu den Symptomen von Long Covid und dem Post-Covid-Syndrom gehören die folgenden:

  1. Müdigkeit und Erschöpfung
  2. Geringere Leistungsfähigkeit (man ist nicht so belastbar)
  3. Atembeschwerden mit Kurzatmigkeit
  4. Brustschmerzen
  5. Langanhaltender Husten
  6. Herz-Kreislauf-Probleme (Herzklopfen, Schwindel u. a.)
  7. Kopfschmerzen
  8. Gelenk- oder Muskelschmerzen oder auch Muskelschwäche
  9. Geruchs- und Geschmacksstörungen
  10. Verdauungsbeschwerden (Durchfall, Übelkeit, Erbrechen)
  11. Appetitlosigkeit
  12. Depressionen oder depressive Stimmungslage
  13. Gedächtnisprobleme und Konzentrationsstörungen
  14. Angst- und/oder Unruhezustände
  15. Brain Fog (Gehirnnebel – man fühlt sich wie benebelt, was sich in Wortfindungs- und Sprachstörungen, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Desorientierung und Sehproblemen äußern kann)
  16. Schlafstörungen ( 20 )
  17. PEM (Post-Exertional Malaise, was bedeutet, dass sich Symptome nach körperlicher oder geistiger Anstrengung verschlimmern)

Symptome können dauerhaft oder phasenweise auftreten

Es gibt also kaum Symptome, die im Verlauf von Long Covid noch nicht aufgetreten wären. Dabei müssen die Symptome nicht permanent bestehen bleiben, sie können auch phasenweise auftreten, was bedeutet, dass es den Betroffenen zeitweise auch recht gut gehen kann und sie dann kurzzeitig sogar symptomfrei sein können.

Symptome oder Beschwerden, die sich z. B. aufgrund einer Behandlung auf der Intensivstation ergaben (z. B. Ängste), zählen nicht zu Long Covid. Genauso wenig covidbedingte Organschäden (Herz- und Lungenkrankheiten, Schlaganfälle etc.) und covidbedingte Autoimmunerkrankungen (Diabetes Typ 1, Polyneuropathie, Guillain-Barré-Syndrom).

Post-Covid-Syndrom oder Post-Vac-Syndrome?

Auch durch Impfungen gegen Sars-CoV2 können sich Symptome entwickeln, die denen von Long Covid bzw. jenen des Post-Covid-Syndroms stark ähneln. Man spricht dann vom Post-Vakzine-Syndrome, Post-Vac-Syndrome oder Post-Vakzinierungssyndrom (PVS).

Die unten vorgestellten ganzheitlichen Maßnahmen können auch beim Post-Vac-Syndrome eingesetzt werden und die Genesung unterstützen. Wenn jemand Covid-19 hatte, geimpft ist und dann entsprechende Symptome bekommt, lässt sich natürlich nicht sagen, woran derjenige nun leidet - an Long Covid oder am Post-Vac-Syndrome.

Kommt Long Covid häufig vor?

Nicht jeder bekommt Long Covid – und oft ist nicht klar, ob die Symptome auf Long Covid zurückzuführen sind oder auf eine andere Ursache. Denn über Müdigkeit und Erschöpfung klagen nicht nur Menschen, die Covid-19 hatten, sondern natürlich immer wieder auch Menschen, die den Infekt nicht hatten.

Laut einer Studie vom März 2023 an knapp 200.000 Personen in Deutschland können die einschlägigen Symptome jedoch deutlich häufiger bei ehemaligen Covid-19-Patienten festgestellt werden ( 2 ). Bei den Frauen klagten an täglicher Müdigkeit noch Wochen nach dem Infekt 34,6 Prozent, aber nur 21,9 Prozent in der Kontrollgruppe (Leute, die noch kein Covid-19 gehabt hatten). Bei den Männern waren es 20,7 Prozent in der Covid-Gruppe und 12,1 Prozent in der Kontrollgruppe.

Es handelt sich also um 10 bis 15 Prozent, die aufgrund von Covid-19 an anhaltenden Beschwerden leiden. Diese Zahlen werden auch von internationalen Übersichtsstudien bestätigt ( 11 ).

Keine Viren, kein Covid-19, kein Long Covid?

Häufig erreichen uns E-Mails oder auch Kommentare, in denen uns LeserInnen darauf aufmerksam machen, es gäbe gar keine Viren, daher gäbe es auch kein Covid-19, ja, überhaupt keine virusbedingten Erkrankungen und folglich auch kein Long Covid. Die Ursachen der Symptome seien ganz andere (z. B. Chemtrails, allgemeine Umweltbelastung, Impfungen, Strahlung).

Da wir jedoch ein ganzheitliches Portal sind, können die bei uns vorgestellten ganzheitlichen Maßnahmen auch bei anderen Ursachen hilfreich sein, denn in der Naturheilkunde geht es in erster Linie darum, den Organismus so zu unterstützen und die Selbstheilkräfte so zu aktivieren, dass der Körper selbst wieder sein gesundes Gleichgewicht erreichen kann und auch im Hinblick auf äußere Einflüsse nicht mehr so anfällig ist.

Es hilft hingegen kaum, wenn man jemandem, der eindeutig Symptome hat, erklärt, die Problematik, an der er zu leiden scheint bzw. die offiziell dafür angegebenen Ursachen, gäbe es gar nicht.

Risikofaktoren für Long Covid

Für Long Covid sind verschiedene Risikofaktoren bekannt:

Höheres Alter

Das Risiko für Long Covid steigt mit dem Alter. Bei den 40- bis 61-Jährigen traten laut der oben genannten Untersuchung Langzeitsymptome deutlich häufiger auf als bei den 25- bis 39-Jährigen. Selten traten die Symptome in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen auf (2).

Verlauf von Covid-19

Das Risiko für Long Covid steigt aber auch abhängig vom Verlauf der einstigen Covid-19-Infektion. Je schwerer die Krankheit verlief, umso höher das Risiko für Langzeitfolgen.

Diejenigen, die einen mittelmäßigen Verlauf hatten, hatten ein um 27 Prozent höheres Risiko, noch Wochen später an chronischer Müdigkeit zu leiden als Leute, die noch kein Covid-19 hatten. Bei jenen, die einen schweren Verlauf hatten, stieg das Risiko um mehr als das Dreifache und bei jenen, die mit Atemnot ins Krankenhaus mussten, war das Risiko für eine Long-Covid-Müdigkeit mehr als 4-mal so hoch.

Vorerkrankungen

Auch Vorerkrankungen erhöhen das Risiko, an Long Covid zu leiden, beispielsweise bei Leuten, die Bluthochdruck haben oder bei Übergewichtigen (BMI höher als 30). Diabetiker hingegen waren wider Erwarten nicht häufiger von Long Covid betroffen als Personen ohne Vorerkrankungen.

Belastung mit Schwermetallen

Eine Belastung mit Schwermetallen, wie Blei, Cadmium und Quecksilber erhöht das Risiko für Covid-19 sowie das Risiko für einen schweren Verlauf ( 16 ). Letzteres ist wiederum ein wichtiger Risikofaktor für Long Covid. Long-Covid-Betroffene könnten daher auch eine entsprechende Belastung überprüfen lassen.

Bei positivem Befund wäre eine Ausleitung der nächste Schritt, was sodann den Heilungsverlauf deutlich beschleunigen müsste. Die genannten Schwermetalle sowie auch Arsen erhöhen im Körper oxidativen Stress und fördern die Ausschüttung entzündlicher Zytokine, treiben also in jedem Fall die bei Covid und Long Covid sowieso schon vorhandene Situation noch weiter an.

Zusätzlich hat eine Schwermetallbelastung negative Auswirkungen auf das sog. erworbene Immunsystem (adaptive Immunität), was wiederum die Anfälligkeit für virale und sonstige Infekte erhöht sowie die entsprechende Abwehrkraft drosselt.

Ursachen von Long Covid

Wer sich von Covid-19 nicht vollständig erholt, war vermutlich schon zuvor geschwächt und wird so auch anfällig für Long Covid. Wer meint, er sei keinesfalls geschwächt gewesen, hatte möglicherweise eine Schwachstelle, von der er gar nichts wusste, z. B. eine Störung der Darmflora (Dysbiose) oder chronische Entzündungsprozesse im Körper, die in latenter Form ebenfalls zunächst unbemerkt verlaufen können. Insgesamt muss in jedem Fall das Immunsystem beeinträchtigt gewesen sein, da man andernfalls die Krankheit gut überstanden hätte.

Oft werden auch andere Viren angeführt, die bereits im Körper waren, durch Covid-19 aktiviert wurden und so zu Long Covid führten (Herpes, Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber), Cytomegalovirus oder Gürtelrose (Windpockenvirus)). Das Cytomegalovirus ist weniger bekannt und kann (wenn überhaupt) zu grippeartigen Beschwerden (Atemwegsbeschwerden, Abgeschlagenheit, Fieber, Husten) führen.

Doch auch die Reaktivierung von vorhandenen Viren kann sich nur dann in Symptomen äußern, wenn das Immunsystem nicht auf Zack ist. Folglich ist die wichtigste Maßnahme zur Überwindung der Long-Covid-Symptomatik die Stärkung des Immunsystems (siehe Link).

Prognose und Dauer

In einer Untersuchung von 2023 stellte man anhand von 185 TeilnehmerInnen fest, dass Long-Covid- bzw. Post-Covid-PatientInnen häufig dieselben Symptome haben (auch denselben Schweregrad) wie Menschen mit ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom – eine schwere neuroimmunologische Erkrankung, die oft zu einem hohen Grad körperlicher Behinderung führt).

Bei der Beobachtung über ein Jahr hinweg zeigte sich jedoch, dass sich 5 Symptome bei den Post-Covid-PatientInnen deutlich besserten (Müdigkeit, Verschlimmerung der Symptome nach körperlicher/geistiger Anstrengung, Brain Fog, Reizdarmsymptomatik, Unruhegefühle), bei den ME/CFS-Patienten hingegen nicht ( 3 ).

Im Allgemeinen bessert sich Long Covid also mit der Zeit, auch wenn es inzwischen Betroffene gibt, die schon länger als 2 Jahre damit zu kämpfen haben.

Gibt es Long Covid überhaupt? Oder ist alles nur Einbildung?

Manche Patienten mit den typischen Long-Covid-Symptomen haben das Problem, von ihrem Arzt gar nicht ernst genommen zu werden. Denn die meisten Symptome lassen sich nicht mit bestimmten Werten überprüfen. Im Gegenteil. Die üblichen Untersuchungen verlaufen meist ohne Befund, so dass die frohe Botschaft „Sie sind gesund und munter“ lautet, dem Patienten daraufhin nach wie vor nicht gut ist, der Arzt aber nicht weiß, wie er ihm helfen soll.

In einer französischen Studie, die in JAMA Internal Medicine erschienen war ( 9 ), analysierte man die Daten von etwas mehr als 26.800 TeilnehmerInnen. Knapp 1000 erklärten, an Long Covid zu leiden und waren natürlich auch der Meinung, Covid gehabt zu haben. Ein anschließender Antikörpertest ergab jedoch, dass nur 453 tatsächlich eine Infektion gehabt hatten. Die übrigen hatten also Long Covid, ohne je Covid gehabt zu haben. In der Gruppe der Leute, die sich sicher waren, kein Covid gehabt zu haben, litten nur 2 bis 3 Prozent an den entsprechenden Symptomen (Abgeschlagenheit, Muskelschmerzen, Schlafprobleme, Atembeschwerden etc.).

Die beteiligten Forscher schlussfolgerten somit, dass Residualsymptome (Spätfolgen) nicht automatisch auf Sars-CoV-2 zurückgeführt werden sollten, es hingegen immer auch sein könne, dass auch schon die Überzeugung, mit Covid infiziert worden zu sein, entsprechende Symptome mit sich bringen könnte.

(Ergänzung 16.5.2023: Leser schrieben uns nun, dass die Leute, die, ohne Covid gehabt zu haben, an Long-Covid-Symptomen litten, sicher geimpft waren und somit am Post-Vac-Syndrome erkrankt waren. Dies ist aber eher nicht möglich, da die Studie schon im Dezember 2020/Januar 2021 durchgeführt wurde, also in einer Zeit, also erst sehr wenige geimpft waren.

In Deutschland waren am 1. Februar 2021 erst 2,41 Prozent der Bevölkerung erstgeimpft, nur 0,8 Prozent hatten eine zweite Impfung ( 18 ). In Frankreich war die Situation ähnlich. Auch gab es ja die Kontrollgruppe, in der nur sehr wenige Leute an den typischen Long-Covid-Symptomen litten, so dass die Studie schon auch den psychologischen Aspekt aufzuzeigen scheint.

Dieser sollte auch keinesfalls kleingeredet werden, denn die mediale Panikmache war in der Pandemie so extrem, dass viele Menschen bei einer Covid-Diagnose regelrecht Todesangst bekamen - und genau diese kann sehr leicht Auslöser für alle möglichen Beschwerden sein.)

Wissenschaftler der Post COVID Ambulanz an der Klinik für Neurologie der Uni Essen konnten bei neurologischen Untersuchungen keine Hinweise auf die typischen Long-Covid-Symptome finden, auch nicht bei einer Magnetre­sonanzuntersuchung des Gehirns oder bei Liquoranalysen ( 10 ). Ganz gleich aber, was nun die Ursache der Symptome ist – ob eine ursprüngliche Infektion, das noch vorhandene Virus oder Psychosomatik – die Beschwerden sind nun einmal da und erfordern Maßnahmen. 

Long Flu gibt es schon lange

Auch nach anderen Viruserkrankungen können Residualsymptome auftreten, etwa nach einer Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus oder nach einer Grippe. Letzteres wird als Long Flu bezeichnet (Flu ist der englische Begriff für Grippe, der sich von Influenza ableitet). Long Covid ist also nichts Neues. Dennoch scheint die Problematik häufiger und auch schwerer nach Covid-19 aufzutreten, als dies bei der Grippe der Fall ist – so eine Untersuchung vom September 2021 ( 8 ).

Man überprüfte die Daten von über 270.000 Patienten mit Covid-19 und knapp 115.000 Patienten mit Grippe. Es zeigte sich, dass bei etwa 42 Prozent der Covid-Patienten und 30 Prozent der Grippe-Patienten auch 3 bis 6 Monate nach der Infektion zumindest ein Symptom auftrat. Auch bei Long Flu handelt es sich um Angstzustände, Depressionen, Atembeschwerden, Müdigkeit, Brain Fog etc.

Diagnose von Long Covid

Die Diagnose von Long Covid ist nicht einfach. Zunächst werden bekannte Ursachen für die vorliegenden Symptome abgeklärt, also ob Herz- oder Lungenschäden bzw. entsprechende Funktionsstörungen vorliegen, wenn der Patient beispielsweise an Brustschmerzen und Atemnot leidet. Auch andere mögliche Krankheiten oder Ursachen der Beschwerden werden überprüft. Man geht also mit einem gewissen Ausschlussverfahren vor.

Meist liegt außerdem die Kombination aus den drei folgenden Hauptsymptomen vor: Abgeschlagenheit (Fatigue), Belastungsintoleranz (Verschlechterung der Beschwerden nach nur leichter Anstrengung, wobei die Verschlechterung Tage oder sogar Wochen anhalten kann) und kognitive Störungen (verlangsamtes Denken, Gedächtnis- und Wortfindungsstörungen).

In Nature Medicine erschien am 31. August 2023 eine Studie, in der man zwei Blutmarker mit Long Covid in Verbindung brachte - und zwar bei Patienten, die 6 bis 12 Monate nach ihrem covidbedingten Krankenhausaufenthalte an kognitiven Störungen litten ( 19 ).

Einerseits wurde ein erhöhter Fibrinogenwert beobachtet (erhöht im Verhältnis zum CRP-Wert), andererseits ein erhöhter D-Dimer-Wert (ebenfalls im Verhältnis zum CRP-Wert erhöht). Beide Werte weisen auf Störungen im Gerinnungssystem hin. So könnten die kognitiven Probleme etwa die Folgen von kleinen Blutgerinnseln im Gehirn sein, mutmaßten die beteiligten Wissenschaftler der Universitäten Oxford, Leicester und Edingburgh.

Therapie in der Schulmedizin

Viele Ärzte sind auch heute noch wenig über mögliche Therapieformen bei Long Covid informiert und generell wenig über die aktuelle Forschungslage im Bilde, so dass sich noch immer zahlreiche PatientInnen ohne wirksame Therapie allein auf weiter Flur finden und Hilfe im Internet suchen, z. B. in Long-Covid-Selbsthilfegruppen.

Die dort empfohlenen Behandlungsmöglichkeiten sind oft teuer und werden von den Kassen nicht immer übernommen (siehe weiter unten: HBO). Betroffene müssen somit – abgesehen von den körperlichen Beschwerden – auch noch mit der finanziellen als auch mit der psychischen Belastung der Krankheit zu großen Teilen selbst fertig werden.

Natürliche Mittel bei Long Covid

Bei Long Covid oder dem Post-Covid-Syndrom lassen sich naturheilkundlich etliche Maßnahmen und Mittel einsetzen, die sehr gut helfen können. Einerseits geht es um die üblichen Maßnahmen zur Stärkung und Regulierung des Immunsystems (siehe Link weiter oben) sowie um die Maßnahmen des ganzheitlichen Basis-Konzepts, das bei jedweder chronischen Erkrankung umgesetzt werden sollte. Andererseits können auch gezielte Mittel die Therapie begleiten:

L-Arginin mit Vitamin C bei Long Covid

Ende 2022 erschien in Nutrients eine italienische Studie, in der sich die Kombination aus der Aminosäure L-Arginin mit Vitamin C bei Long Covid als hilfreich erwies. L-Arginin ist bekannt für seine günstige Wirkung auf die Blutgefäße. Die Aminosäure stimuliert die körpereigene Bildung von Stickstoffmonoxid, das u. a. die Gefäße weitet und so den Blutdruck senkt, weshalb L-Arginin gerne bei Bluthochdruck eingenommen wird.

An der italienischen Studie (randomisiert, kontrolliert) nahmen 46 Personen teil, die durchschnittlich 50 Jahre alt waren und im Rahmen Ihrer Long-Covid-Erkrankung besonders unter anhaltender Müdigkeit und Erschöpfung litten. Jeweils die Hälfte erhielt nun 4 Wochen lang entweder ein Placebo-Präparat oder aber zweimal täglich eine Kombination aus 1,7 g L-Arginin mit 500 mg liposomalem Vitamin C.

Es zeigte sich, dass die Leute, die L-Arginin mit Vitamin C nahmen im Vergleich zur Placebo-Gruppe im 6-Minuten-Test besser abschnitten (in 6 Minuten eine größere Distanz zurücklegten), eine höhere Muskelkraft hatten und sich auch ihre Gefäßgesundheit verbessert hatte. Insgesamt litten nach den 4 Wochen in der Placebo-Gruppe noch 21 Leute an Erschöpfung und Müdigkeit (also fast alle), in der L-Arginin-Vitamin-C-Gruppe nur noch 2 (also fast keiner mehr) ( 12 ).

Adaptogene bei Long Covid

Adaptogene sind Pflanzenstoffe, die stressresistenter machen können, die also dazu beitragen, dass Stress nicht mehr so schädliche Auswirkungen auf Körper und Psyche hat. Bekannte Adaptogene sind Rhodiola rosea (Rosenwurz), Ashwagandha, Schisandra chinensis, Eleutherococcus (Taigawurzel) oder auch Ginseng. Adaptogene schützen insbesondere deshalb vor Stressschäden, weil sie stark antioxidativ und entzündungshemmend wirken. In einer Studie, die im März 2022 erschien ( 15 ), untersuchte man die Wirkung einer Kombination aus drei Adaptogenen auf die typischen Symptome von Long Covid. Das Präparat war ADAPT-232/Chisan®, eine flüssige Nahrungsergänzung aus Schweden. Allerdings war es auch der Hersteller des Produktes, der die Studie finanzierte: Swedish Herbal Institute AB.

Die tägliche Dosis, die zwei Wochen lang genommen wurde, betrug 60 ml und bestand aus

  1. 180 mg eines Extrakts aus Rhodiola rosea (entsprechend 0,45 bis 0,9 g der getrockneten Pflanze)
  2. 600 mg eines Extrakts aus Schisandra chinensis (entsprechend 1,2 bis 3,0 g der getrockneten Pflanze)
  3. 156 mg eines Extrakts aus Eleutherococcus senticosus (entsprechend 2,64 bis 4,68 g der getrockneten Pflanze)

Ansonsten enthält das Produkt noch Sirup, Alkohol, Glycerin, Aroma, Polysorbat 80, Konservierungsstoffe E216 und E218, Kaliumsorbat etc., so dass man sicher die genannten Adaptogene auch in Form anderer Präparate einnehmen kann.

TeilnehmerInnen der Studie waren 100 Personen mit mindestens drei von neun Long-Covid-Symptomen (Erschöpfung, Kopfschmerzen, Atemprobleme, kognitive Störungen, Stimmungsschwankungen, Geschmacksverlust, Husten, Gelenk- und Muskelschmerzen, Schweißausbrüche). Nach der zweiwöchigen Einnahme des Mittels ging es den Betroffenen in der Adaptogen-Gruppe besser als in der Placebogruppe. Sie hatten weniger Schmerzen und waren weniger müde. Auch konnte das Mittel die Dauer der beiden Symptome etwas reduzieren. Bei den Blutwerten konnte man kaum Unterschiede zwischen Adaptogen- und Placebogruppe feststellen. Auffallend war lediglich, dass die Adaptogen-Gruppe einen niedrigeren Kreatininspiegel im Blut hatte, was darauf hinweist, dass die Nieren positiv beeinflusst wurden, so dass die Adaptogene der bei Long Covid gelegentlich zu beobachtenden Niereninsuffizienz vorzubeugen scheinen.

Vitamin D bei Long Covid

Im März 2023 erschien eine Studie von Wissenschaftlern der Medizinischen Klinik Emden. Darin zeigte sich, dass Patienten mit Post-Covid-Syndrom niedrigere Vitamin-D-Spiegel haben als Personen, die gar nicht erst an Covid-19 erkrankt waren. Zwar wird immer wieder behauptet, die Einnahme von Vitamin D bringe diesbezüglich nichts, doch sind die Emdener Mediziner da anderer Meinung und sagen, dass eine Supplementierung mit Vitamin D auch deshalb für Covid-Patienten von Vorteil sein könnte, weil sich damit das Risiko von Long Covid und eines Post-Covid-Syndroms verhindern lassen könnte.

In der Post-Covid-Gruppe lag der Vitamin-D-Spiegel bei 65 Prozent der Probanden unter 20 ng/ml, in der gesunden Kontrollgruppe lag ein derart niedriger Spiegel nur bei 42 Prozent vor (was immer noch ein zu hoher Anteil ist, da ein gesunder Vitamin-D-Spiegel bei etwa 40 bis 50 ng/ml liegt). Der niedrige Spiegel kann nun eine wichtige Mitursache für die Infektanfälligkeit gewesen sein, also dafür, dass die Leute überhaupt erst Covid-19 bekamen. Er kann sich aber auch erst im Laufe der Erkrankung eingestellt haben, weil eine Infektion vom Körper viel abverlangt und entsprechend der Vitaminverbrauch steigt.

Geplant sind nun Studien mit Long-Covid- oder Post-Covid-Betroffenen, die Vitamin D erhalten, um zu sehen, ob die Supplementierung das Post-Covid-Syndrom beeinflussen kann. Da ein gesunder Vitamin-D-Spiegel jedoch in jedem Fall wichtig ist, empfehlen wir stets, den persönlichen Spiegel bestimmen zu lassen und je nach Ergebnis das Vitamin individuell dosiert einzunehmen.

Flavonoide bei Long Covid und dem Post-Covid-Syndrom

Im Mai 2022 erschien im Fachmagazin der Pflanzenheilkunde Phytotherapy Research ein Artikel über den Einsatz von Flavonoiden bei Long Covid bzw. beim Post-Covid-Syndrom ( 13 ). Flavonoide sind sekundäre Pflanzenstoffe mit u. a. entzündungshemmender, antioxidativer, gerinnungshemmender sowie herz- und gefäßschützender Wirkung. Zur Gruppe der Flavonoide zählen beispielsweise:

  1. Quercetin und Kaempferol aus Äpfeln, Zwiebeln, Brokkoli, Blaubeeren
  2. Myricetin aus Schwarzen Johannisbeeren, Heidelbeeren, Weintrauben, Walnüssen
  3. Rutin aus Petersilie und Buchweizen
  4. Apigenin und Luteolin aus Sellerie und Petersilie
  5. Naringenin und Hesperetin aus Zitrusfrüchten
  6. EGCG (Epigallocatechingallat) aus Grüntee/Grünteeextrakt
  7. Procyanidine (OPC) aus Traubenkernen oder Pinienrinde

Im genannten Artikel heißt es, dass Flavonoide eine wichtige Rolle bei der Prävention vieler Krankheiten spielen und daher auch in Form von Nahrungsergänzungsmitteln bei der Linderung von Long Covid und des Post-Covid-Syndroms sowie zur Verkürzung seiner Dauer eingesetzt werden können. Das vielversprechendste Flavonoid sei dabei Quercetin. 

Bei Covid‐19 kommt es zu einer übermäßigen Ausschüttung entzündlicher Botenstoffe (Zytokine). Diese Zytokinausschüttung (ausgelöst von einem Proteinkomplex namens NLRP3) kann nun auch zu Long Covid bzw. dem Post-Covid-Syndrom führen. Flavonoide hemmen die von NLRP3 angetriebene Zytokinausschüttung.

Da es bislang insbesondere Zell- und Tierstudien zu diesem Thema gibt, sind konkrete Dosierungen nicht bekannt, doch sollte bei Long Covid bzw. beim Post-Covid-Syndrom unbedingt eine gesunde Ernährung praktiziert werden, die die genannten flavonoidreichen Lebensmittel enthält. Zusätzlich kann man sich ein oder zwei flavonoidreiche Nahrungsergänzungen aussuchen, z. B. Quercetin und Grünteeextrakt oder Quercetin und OPC. Von Quercetin nimmt man täglich im Allgemeinen zwischen 150 und 500 mg, vom Grünteeextrakt ca. 500 mg und von OPC zwischen 200 und 500 mg.

Die passende Ernährung bei Long Covid

Eine enorm wichtige Säule im Therapiekonzept von Long Covid oder des Post-Covid-Syndroms ist die richtige Ernährung. Im März 2022 erschien dazu ein interessanter wissenschaftlicher Artikel im Fachjournal Nutrients ( 14 ).

Da die Erkrankung mit chronischen Entzündungsprozessen, einem beeinträchtigten Immunsystem, oxidativem Stress und Sarkopenie (Muskelabbau und Muskelschwäche mit verringerter Leistungsfähigkeit) einhergeht, werden die Ernährung und auch Nahrungsergänzungsmittel auf diese Punkte angepasst. Im Grunde handelt es sich um eine gesunde, vollwertige Ernährung (wie z. B. die mediterrane Ernährung):

  1. Für das Immunsystem: Vitamin D, Mineralstoffe und immunstimulierende Stoffe (hochwertige Proteine, Probiotika)
  2. Gegen die Entzündungen: Omega-3-Fettsäuren, einfach ungesättigte Fettsäuren (Mandeln, Olivenöl), Ballaststoffe (Vollkorn, Obst und Gemüse) und Inositol (z. B. in Grapefruitsaft, Erdnussbutter, Hülsenfrüchten, grünen Bohnen, Rosenkohl)
  3. Gegen den oxidativen Stress: Polyphenolreiche Lebensmittel (sekundäre Pflanzenstoffe, zu denen auch die oben vorgestellten Flavonoide zählen – also Gemüse, Obst, Salate, Kräuter), Vitamin A, Vitamin C und Vitamin E und Kohlenhydrate mit niedrigem glykämischen Index
  4. Gegen die Muskelschwäche: Genügend Kalorien und Proteine (mind. 0,83 g hochwertiges Protein pro Kilogramm Körpergewicht) sowie Mineralstoffe
  5. Dehydrierung vermeiden: 2,5 bis 3 Liter Flüssigkeit soll man lt. vorgestellter Studie zu sich nehmen (Wasser, Kräutertee, ungesüßte alkoholfreie Getränke um eine Dehydration zu vermeiden).

Nahrungsergänzung bei Long Covid

Viele der oben genannten Nähr- und Vitalstoffe können mit der Ernährung aufgenommen werden. Manche nimmt man - ob bei Long Covid, bei anderen chronischen Beschwerden oder zur Vorbeugung - besser als Nahrungsergänzungsmittel ein, z. B.:

  1. Mineralstoffe (Rundumversorgung z. B. * Multi Mineral von Greenfood)
  2. Vitamine (ein Multipräparat (z. B. * Multivitamin von Greenfood) sowie separat und bedarfsgerecht Vitamin D)
  3. Omega-3-Fettsäuren (* Algenöl von effective nature): Täglich 1,5 bis 3 g Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA), die entzündungshemmend wirken und außerdem die Vermehrung von Viren hemmen (und somit eine Reaktivierung schlummernder Viren verhindern könnten)
  4. Präparate mit antioxidativer und entzündungshemmenden Eigenschaften (die oben genannten Flavonoide, z. B. Quercetin, OPC und EGCG oder Resveratrol (bekannt aus Trauben und Rotwein), Glutathion (z. B. * L-Glutathion von effective nature) sowie Inositol
  5. Hochwertige Proteine (als leicht verdauliches Protein kommt z. B. Reisproteinpulver in Frage, das man mit einer Mischung aus Soja- und Haferdrink und 1 – 2 Bananen und etwas Zimt oder Vanille zu einem wohlschmeckenden Proteinshake mixen kann.)
  6. Probiotika: siehe Abschnitt weiter unten unter "Darmflora regulieren".

Vitamine und Polyphenole aus der Olive bessern Post-Covid-Syndrom

In einer kleinen italienischen Studie mit insgesamt 40 Personen erhielt die Hälfte (mit Long Covid) täglich eine Nahrungsergänzung, die aus den folgenden Zutaten bestand ( 17 ): 160 mg Vitamin C, 150 mg Acetyl-L-Carnitin (eine Aminosäure), 100 mg Hydroxytyrosol (stark antioxidativ wirksames Polyphenol aus der Olive), 12,5 mg Vitamin B1, 5 mg Vitamin B6, 0,2 mg Folsäure, 0,025 mg Vitamin D3 und 0,005 mg Vitamin B12.

Nach 15 Tagen berichtete die Nahrungsergänzungsgruppe von mehr als doppelt so viel Energie als zuvor. Die Müdigkeit hatte stark nachgelassen. Allerdings vertrug nicht jeder die Nahrungsergänzung gleich gut. Manche bekamen davon Magenschmerzen oder Durchfall.

Darmflora regulieren - auch bei Long Covid wichtig

Die Darmflora spielt eine enorm wichtige Rolle für die Gesundheit – sowohl für die körperliche als auch für die psychische Gesundheit. Denn über die Darm-Hirn-Achse (Botenstoffe, Hormone, Nervenimpulse) wird das Gehirn vom Zustand der Darmflora beeinflusst. Covid-Patienten zeigen eine veränderte Zusammensetzung der Darmflora – besonders wenn sie im Rahmen der Therapie Antibiotika erhalten haben, was gleichzeitig zu einem erhöhten Risiko für Long Covid führt.

Also sollten auch Maßnahmen für die Darmflora umgesetzt werden, wobei bereits sowohl eine gesunde Ernährung als auch sämtliche hilfreichen Nahrungsergänzungsmittel meist auch die Darmflora positiv beeinflussen (gesunde Fettsäuren, Ballaststoffe, Polyphenole bzw. Flavonoide).

Eine fett- und zuckerreiche Ernährung stört die Darmflora hingegen und reduziert die nützlichen Darmbakterien. Kombiniert man Polyphenole mit Probiotika, kann sich leichter eine gesunde Darmflora einstellen. Man könnte z. B. Combi Flora mit Quercetin und OPC kombinieren (alles z. B. von effective nature erhältlich).

Bei Long Covid und Post-Covid-Syndrom Vitalstoffmangel vermeiden

Die bei Long Covid und dem Post-Covid-Syndrom häufig vorhandene Erschöpfung ähnelt dem Chronischen Fatigue Syndrom (Chronisches Erschöpfungssyndrom, CFS). Da es in Bezug auf Ernährungstipps in Sachen Erschöpfung beim PCS noch kaum Studien gibt, orientiert man sich an den bestehenden Erkenntnissen aus der CFS-Forschung. So weiß man, dass ein Mangel mancher Nähr- und Vitalstoffe das CFS verstärken kann, z. B. ein Mangel an Vitamin C, dem Vitamin-B-Komplex, Magnesium, Zink, Folat, L-Carnitin, L-Tryptophan, Omega-3-Fettsäuren und Coenzym Q10.

Gleichzeitig ist bekannt, dass es CFS-Patienten besser geht, wenn sie antioxidative Stoffe zu sich nehmen. In einer Studie ging es bereits nach einer Woche aufwärts, wenn die CFS-Patienten das Präparat NT Factor Advanced Physicians (B-Vit Complex) nahmen. Die genaue Zusammensetzung finden Sie in der Studie ( 7 ) oder auch wenn Sie nach dem Produkt im Netz suchen.

Hyperbare Sauerstofftherapie bei Long Covid

Die Hyperbare Sauerstofftherapie HBO (Hyperbare Oxygenation) ist keine Selbsthilfemaßnahme und wird hier nur der Vollständigkeit halber aufgeführt. Die HBO ist eine Behandlung, die es schon lange für z. B. Taucher gibt, die an der Dekompressionskrankheit infolge zu schnellen Auftauchens leiden. Auch bei Kohlenmonoxidvergiftungen, akutem Hörverlust, Wundheilungsstörungen, Knochennekrosen und vielen anderen Erkrankungen kann die HBO eingesetzt werden.

Bei der HBO befindet man sich in einer medizinischen Druckkammer und atmet über eine Maske medizinischen Sauerstoff (100 Prozent reinen Sauerstoff) ein. Auf diese Weise soll sauerstoffunterversorgtes Gewebe wieder ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Der Überdruck bewirkt, dass der Sauerstoff im Blut besser verteilt werden kann, tiefer ins Gewebe eindringt und alle Körperzellen erreicht. Sauerstoff hat eine bakterienabtötende, wundheilfördernde und ödemmindernde Wirkung. Zusätzlich verdrängt Sauerstoff Giftstoffe (z. B. Kohlenmonoxid) aus lebenswichtigen, sauerstoffabhängigen Enzymen, die nun wieder ihre Aufgaben erfüllen können (z. B. bei der Entgiftung, im Stoffwechsel, bei der Energieproduktion).

Studie mit HBO bei Long Covid

Auch bei Long Covid könnte die HBO zum Einsatz kommen. In einer kleinen randomisierten Doppelblindstudie vom Juli 2022 zeigte sich die HBO bei Long Covid als wirksam ( 5 ): Teilnehmer waren 73 Patienten, die seit mindestens 3 Monaten nach bestätigter Covid-19-Infektion anhaltende Symptome hatten. 37 Patienten erhielten nun täglich eine HBO-Therapie (insgesamt 40 Sitzungen). Die übrigen 36 erhielten eine Scheintherapie. 1 bis 3 Wochen nach der letzten Sitzung wurde das Befinden überprüft.

In der HBO-Gruppe zeigten sich deutliche Besserungen. Die Teilnehmer hatten nun ein höheres Energielevel, besseren Schlaf, weniger Schmerzen, weniger psychische Symptome (Depressionen, Ängste) und zeigten Besserungen im kognitiven Bereich. Auch konkrete Untersuchungen (z. B. MRT des Gehirns) zeigten signifikante Verbesserungen in der HBO-Gruppe. Die Wirkung der HBO wird auf die verbesserte Durchblutung des Gehirns und eine erhöhte Neuroplastizität (Optimierung der Gehirnstrukturen) in jenen Gehirnregionen zurückgeführt, die für kognitive und emotionale Funktionen zuständig sind.

Mögliche Nebenwirkungen der HBO

Die HBO-Therapie kann jedoch auch Nebenwirkungen haben (Verletzungen des Gehörs, zeitweise Sehstörungen), die aber selten auftreten. In obiger Studie war die häufigste Nebenwirkung aufgrund des Drucks das sog. Barotrauma (bei 4 Teilnehmern). Sonst kamen kaum Nebenwirkungen vor, in Einzelfällen Herzklopfen, in einem Fall Ohrenschmerzen.

Von einem Barotrauma sind meist die Ohren oder die Nebenhöhlen betroffen, die die Druckveränderungen nicht – wie es normalerweise der Fall sein sollte – ausgleichen können, etwa wenn Polypen vorliegen oder die Nasenschleimhäute angeschwollen sind. Es kann im Falle der Nebenhöhlen zu stechenden Schmerzen im Stirnbereich kommen (was auch bei Flugreisen passieren kann), die folgenlos bleiben können, aber auch je nach Stärke des Barotraumas auch zu Schäden führen können.

Medizinische Fachgesellschaften raten von HBO bei Long Covid ab

Die medizinischen Fachgesellschaften raten jedoch bei Long Covid von der HBO ab. Die Methode sei bei Long Covid noch nicht ausreichend durch Studien belegt (die obige wird als zu klein eingestuft, während gleichzeitig weitere Studien auch nicht gerade forciert werden). Von den gesetzlichen Krankenkassen wird die ambulante HBO daher auch nicht übernommen, von privaten Kassen häufig schon. Meist werden 15 bis 40 Sitzungen angeboten, wobei schon eine Sitzung laut des Druckkammerzentrums Niedersachsen mindestens 210 Euro kostet ( 6 ).

Auf der Seite von Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten wird eine Betroffene zitiert, die im Zusammenhang mit den Missständen im Gesundheitssystem in Sachen Long Covid schreibt: „Es darf nicht sein, dass erfolgversprechende Therapieansätze wie z. B. die HBO (Hyperbare Sauerstofftherapie), Medikamente wie BC 007 (bindet und neutralisiert schädliche Autoantikörper) und weitere Forschungsvorhaben nicht schneller mit ausreichenden Fördergeldern für notwendige Studien unterstützt werden.“ ( 4 )

Natürliche Therapie bei Long Covid

Auch bei Long Covid und dem Post-Covid-Syndrom geht es aus naturheilkundlicher und ganzheitlicher Sicht somit darum, dem Körper das zu geben, was ihm bislang fehlte (gute Ernährung, Vitalstoffe, ausreichend Schlaf, Entspannung, Bewegung) und all das wegzulassen, was ihn belasten könnte (auch Stress, Alkohol, zu viel Koffein). Denn vermutlich war es schon zuvor ein daraus entstandenes Ungleichgewicht, das überhaupt erst dazu führte, dass sich Long Covid entwickeln konnte. Natürlich ist die obige Liste mit möglichen naturheilkundlichen Maßnahmen aus Ernährung und Nahrungsergänzung nicht vollständig, so dass dieser Artikel immer wieder mit weiteren Tipps und Hinweisen ergänzt werden wird.

Update 2.9.2023: Wir ergänzten im Abschnitt "Diagnose von Long Covid" Studie (19).

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel wurde auf Grundlage (zur Zeit der Veröffentlichung) aktueller Studien verfasst und von MedizinerInnen geprüft, darf aber nicht zur Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung genutzt werden, ersetzt also nicht den Besuch bei Ihrem Arzt. Besprechen Sie daher jede Massnahme (ob aus diesem oder einem anderen unserer Artikel) immer zuerst mit Ihrem Arzt.