Zentrum der Gesundheit
  • Illustration von Nerven zur darstellung einer Polyneuropathie
06 Juni 2022
14 min

Polyneuropathie - Wenn die Nerven verrücktspielen

Polyneuropathie ist häufig eine Folge von Diabetes mellitus. Der hohe Blutzuckerspiegel führt einerseits zu einer mangelhaften Durchblutung und damit zu einer Unterversorgung der Nerven, andererseits kann eine hohe Zuckerkonzentration im Blut direkt die Nerven schädigen.

Fachärztliche Prüfung: Dr. med. Jochen Handel
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Polyneuropathie bei Diabetes häufige Folgeerkrankung

Die Polyneuropathie (oder auch periphere Neuropathie) ist eine Krankheit, die Menschen in jeder Lebensphase treffen kann. Schätzungen zufolge leiden weltweit 40 von 100.000 Menschen an der Polyneuropathie (PNP). Da die PNP eine mögliche Folgeerkrankung des Diabetes mellitus ist, sind 60 Prozent der Diabetiker davon betroffen. Es gibt Hunderte verschiedener Arten der Polyneuropathie. Die Symptome reichen von Brennen, Kribbeln, Schwäche, Taubheit, Lähmungen bis hin zu quälenden Schmerzen, vor allem in den Armen und Beinen. ( 1)

Polyneuropathie – Mögliche Ursachen

Die Ursachen einer Polyneuropathie (PNP) können vielfältig sein und oft genug lässt sich der auslösende Faktor im Nachhinein nicht mehr feststellen.

  1. Wie oben erwähnt, ist die Polyneuropathie häufig eine Folge von Diabetes mellitus. Der hohe Blutzuckerspiegel führt einerseits zu einer mangelhaften Durchblutung und damit zu einer Unterversorgung der Nerven, andererseits kann eine hohe Zuckerkonzentration im Blut direkt die Nerven schädigen.
  2. Bei Diabetikern, die unter einer Polyneuropathie leiden, ist meist ein niedriger Vitamin-D-Spiegel festzustellen. Forscher haben in diversen aktuellen Studien herausgefunden, dass es Zusammenhänge zwischen PNP und Vitamin-D-Mangel gibt.
  3. Eine Polyneuropathie kann beispielsweise die Folge einer Vergiftung sein. Hier kommen Chemikalien wie etwa Pflanzenschutzmittel oder Quecksilber (z. B. aus amalgamhaltigen Zahnfüllungen) in Frage. Auch der langjährige Einfluss von Chemikalien am Arbeitsplatz (z. B. Lösungsmittel) kann zu einer Beeinträchtigung der Nervengesundheit und damit zu einer Polyneuropathie führen.
  4. Drogen sind ebenfalls ein möglicher auslösender Faktor der Polyneuropathie. Besonders häufig kann eine Polyneuropathie daher bei alkoholabhängigen Patienten beobachtet werden.
  5. Nicht vergessen werden sollten die Nebenwirkungen vieler Medikamente, die zu einer Polyneuropathie führen können. Dazu gehören z. B. Statine ( Medikamente zur Senkung des Cholesterinspiegels ), die sog. Zytostatika, also Medikamente, die im Rahmen von Chemotherapien verabreicht werden, oder auch Schmerzmittel, wenn diese regelmässig eingenommen werden.
  6. Darüber hinaus kann die Polyneuropathie eine Begleit- oder Folgeerscheinung nicht nur von Diabetes, sondern auch von vielen anderen Krankheiten sein, wie z. B. von Herpes Zoster ( Gürtelrose), Karpaltunnelsyndrom, HIV und Autoimmunerkrankungen (z. B. Sarkoidose).
  7. Letztendlich kann auch eine langjährige Fehlernährung zu einer PNP führen. Eine ungesunde Ernährungsweise erhöht die Zahl der freien Radikale (welche die Nerven schädigen können), liefert gleichzeitig nur wenige Antioxidantien, welche die freien Radikale eliminieren könnten, erhöht die Gefahr einer Insulinresistenz (beginnender Diabetes) und versorgt die Nerven nur unzureichend mit den notwendigen Nähr- und Mikronährstoffen.
  8. Vitamin B12 ist wichtig für die Regeneration und Bildung der Myelinscheiden der Nervenfasern, so dass ein Vitamin-B12-Mangel zu neurologischen Schäden führen kann. Vitamin-B12-Mangel ist besonders bei Menschen mit chronischen Magen-Darm-Beschwerden verbreitet. Gleichzeitig mit der Behebung des Vitamin-B12-Mangels müssen jedoch natürlich auch die ursächlichen Magen-Darm-Erkrankungen behandelt werden. Ganzheitliche Massnahmen bei Magenproblemen finden Sie hier: Sodbrennen wegen Magensäuremangel oder Magenbeschwerden natürlich behandeln.
  9. In letzter Zeit nimmt man ausserdem an, dass auch Infektionen wie z. B. die Borreliose zu einer Polyneuropathie führen können.

Alle diese Faktoren können die Nerven so schädigen, dass die Verbindung zwischen dem Gehirn und den entsprechenden Körperteilen unterbrochen wird. Handelt es sich bei den geschädigten Nerven um motorische Nerven, so beeinträchtigt dies die Beweglichkeit der betroffenen Muskelpartien. Handelt es sich um sensible Nerven, dann kommt es zu Missempfindungen wie z. B. Kälte- oder Taubheitsgefühlen oder eben auch zu Schmerzen.

Besteht die Polyneuropathie, können sich weitere Erkrankungen und Beschwerden daraus entwickeln, z. B. ein Karpaltunnelsyndrom.

Polyneuropathie – Die Therapie

Wenn die Ursache der Polyneuropathie bekannt ist, kann die Therapie dementsprechend und häufig auch erfolgreich gestaltet werden. Das ist dann der Fall, wenn Medikamente oder Drogen die Auslöser waren und künftig gemieden werden können. Vitamin B12 kann leicht mit Injektionen und später mit Nahrungsergänzungsmitteln substituiert werden. Bei einer Borreliose kommen – je nach Therapeut – antimikrobielle Therapien zum Einsatz.

Auch die diabetische Polyneuropathie lässt sich verhältnismässig gut therapieren – indem "ganz einfach" der Diabetes mellitus therapiert wird. Gerade Diabetes Typ 2 kann hervorragend mit der entsprechenden Lebens- und Ernährungsweise "behandelt" werden, so dass sich – sobald der Blutzuckerspiegel wieder sinkt – auch die Polyneuropathie im Laufe einiger Monate wieder zurückbilden kann. Informationen zu ganzheitlichen Massnahmen bei Diabetes Typ 2 finden Sie hier: Diabetes – Ursachen und Gegenmittel.

Abgesehen davon berichtet die Traditionelle Chinesische Medizin ebenfalls häufig von Erfolgen in der Therapie der diabetischen Polyneuropathie.

PNP-Medikamente: Nebenwirkungen stärker als Wirkung

Bedeutend schwieriger wird es, wenn die Polyneuropathie durch eine Vergiftung verursacht wurde, die lange zurückliegt und daher kaum mehr zurückverfolgt werden kann. Ähnlich kompliziert gestaltet sich die PNP-Therapie, wenn die Krankheit als Folgeerscheinung von anderen schwer therapierbaren Erkrankungen (Autoimmunerkrankungen) auftaucht oder wenn ihre Ursache gänzlich unbekannt ist.

In diesen Fällen werden von der Schulmedizin Arzneimittel verordnet, die auch bei Epilepsie und Angststörungen verschrieben werden. Eigentlich sollen sie die Überaktivität der Nerven und damit den bei Polyneuropathie oft unerträglichen Schmerz drosseln. Doch drosseln sie gleichzeitig noch viel mehr, wie beispielsweise das Sehvermögen, die Potenz und den Gleichgewichtssinn, so dass es zu Seh-, Erektions- und Gleichgewichtsstörungen kommen kann. Schwindel, Trunkenheitsgefühle und Ödeme sind ebenfalls häufige Nebenwirkungen, und die erhebliche Gewichtszunahme unter Pregabalin (Name des Wirkstoffs) ist beinahe schon Pflicht.

Und so berichten nicht wenige PNP-Patienten, dass die Nebenwirkungen der Medikamente deutlich stärker ausgeprägt seien als ihre Wirkung. Das heisst: Die PNP-Symptome werden nur unmerklich gelindert, während neue Symptome hinzukommen. Wenn sich nun PNP-Patienten mit ihren Medikamenten fühlen, als seien sie eben von einem 30-Tonner überrollt worden, und hoffen, sie könnten vom Nervenspezialisten eventuell eine Alternativmedikation erhalten, dann ist es übrigens keine Seltenheit, wenn PNP-Patienten – nach mehrstündiger Wartezeit – vom völlig überlasteten Neurologen entnervt und mit den Worten

"Wenn Sie die Medikamente nicht nehmen wollen, dann können wir Ihnen auch nicht weiterhelfen"

sowie einem Päckchen Antidepressiva von dannen geschickt werden.

Ganzheitliche Massnahmen bei einer Polyneuropathie

Die ganzheitlichen Basismassnahmen, die von jedem Patienten selbst umgesetzt werden können und die bei Polyneuropathien jeder Art vorteilhaft sein können, sind die folgenden:

Keine Genussgifte

Alkohol und Tabak sollten deutlich reduziert, am besten jedoch vollständig gemieden werden.

Schädliche Lebensmittel meiden

Schädliche Lebensmittel, die vermieden werden sollten, sind:

  1. Zucker und Weissmehlprodukte
  2. Süssstoffe
  3. stark verarbeitete Lebensmittel wie Fertigprodukte (Fast Food), die reichlich synthetische Lebensmittelzusatzstoffe enthalten
  4. Softdrinks
  5. Lebensmittel, die Trans-Fettsäuren enthalten (Trans-Fettsäuren können überall dort enthalten sein, wo während des Herstellungsprozesses Fette stark erhitzt werden)
  6. Lebensmittel, die Geschmacksverstärker (z. B. Mononatriumglutamat, das Salz der Glutaminsäure) enthalten: Geschmacksverstärker können einen negativen Einfluss auf das Nervensystem haben, da sie die bei PNP vorliegende erhöhte Ausschüttung der Neurotransmitter, wozu auch Glutaminsäure gehört, noch weiter erhöhen können.

Achten Sie auf eine gesunde Ernährung

Praktizieren Sie eine gesunde basenüberschüssige Ernährung, die aus frischen und vitalstoffreichen Zutaten möglichst selbst zubereitet wird, die dem Organismus weitere Gifte sowie im Übermass schädliche Stoffwechselabbauprodukte erspart, ihn stattdessen mit vielfältigen antioxidativ wirksamen Mikronährstoffen und sekundären Pflanzenstoffen versorgt und auf diese Weise weitere Nervenschäden verhindern bzw. das Voranschreiten der Krankheit verlangsamen kann. Informationen dazu finden Sie hier: 25 Regeln einer gesunden Ernährung.

Wie eine vegane und fettarme Ernährung die Schmerzen, insbesondere der diabetischen Polyneuropathie, lindern kann, lesen Sie hier: Vegane Ernährung hilft bei Polyneuropathie.

Nehmen Sie gesunde Fette zu sich

Achten Sie auf ein ausgewogenes Verhältnis der Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Nerven bestehen zu einem grossen Teil aus Fett und sind daher auf hochwertige Rohstoffe angewiesen. Das heute übliche Verhältnis der beiden Fettsäuren-Gruppen (Omega-6 zu Omega-3) beträgt durchschnittlich 25 zu 1, das wünschenswerte Verhältnis sollte jedoch bei etwa 5 zu 1 liegen.

Omega-6-Fettsäuren, die reduziert werden sollten, befinden sich in tierischen Produkten und in vielen pflanzlichen Fetten (Sonnenblumenöl, Distelöl u. a.). Die erwünschten und entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäuren sind hingegen besonders in Leinsaat, Leinöl, Krillöl und auch im Hanföl enthalten. Von diesen Ölen genügt täglich 1 Esslöffel bzw. die entsprechende Kapselanzahl.

Bewegen Sie sich

Machen Sie so viel Sport, wie es ihnen möglich ist! Das Minimum besteht aus krankengymnastischen Bewegungsübungen und Ergotherapie, die beide ein sehr wichtiger Teil in der Behandlung der Polyneuropathie darstellen. Bewegung erleichtert die Kontrolle des Blutzuckerspiegels, kurbelt die Durchblutung an und kann auf diese Weise die Schädigung der Nerven zumindest verlangsamen.

Nach der sportlichen Betätigung sollten Sie ihre Füsse immer untersuchen, ob irgendwelche Reizungen, Blasen oder Wunden zu sehen sind. Wenn Sie etwas in dieser Art entdecken, muss dies sofort behandelt werden, damit man Infektionen vorbeugen kann. ( 3)

Entgiften Sie Ihren Körper

Da eine Polyneuropathie auch die Folge von Vergiftungen sein kann, empfehlen sich hilfreiche Entgiftungsmassnahmen bzw. solche Massnahmen, die das körpereigene Entgiftungspotential steigern. So sollte zunächst überprüft werden, ob eine mögliche Belastung mit Schwermetallen vorliegt und ob diese Belastung von schwermetallhaltigen Zahnfüllungen rührt.

Wenn ja, sollten die betreffenden Füllungen fachkundig ausgetauscht und eine Schwermetallausleitung durchgeführt werden. (Informationen dazu finden Sie hier: Amalgam entfernen, Quecksilber ausleiten, wie Sie eine Ausleitung anderer Gifte herbeiführen lesen Sie hier: Die ganzheitliche Entgiftung). Zusätzlich sollten insbesondere jene Organe gestärkt und unterstützt werden, die für die Giftausleitung zuständig sind. Das sind der Darm, die Leber und die Nieren.

Führen Sie eine Darmreinigung durch

Eine Darmreinigung hilft die gesunden Funktionen des Verdauungssystems herzustellen. Irritierte Darmschleimhäute oder eine aus dem Gleichgewicht geratene Darmflora sind bei einer modernen Ernährungs- und Lebensweise keine Seltenheit. Da jedoch sowohl eine gesunde Darmschleimhaut als auch eine intakte Darmflora die Voraussetzungen für ein ordnungsgemäss funktionierendes Immunsystem sowie für eine fachgerechte Nährstoffverwertung sind, kann eine Regeneration der Nerven nur dann stattfinden, wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind.

Eine Darmreinigung sorgt beispielsweise für die Entgiftung von möglicherweise für die Nerven bedenklichen Toxinen und ausserdem für die einwandfreie Resorption von Nährstoffen, die als Nervenbaustoffe dienen können, und von Vitalstoffen, die freie Radikale eliminieren und damit die Nerven schützen können.

Kümmern Sie sich um Ihre Leber

Die Leber kann mit Bitterstoffen, Mariendistelpräparaten, Artischocken-Frischpflanzenpresssaft, Kurkuma und/oder Löwenzahnwurzel-Präparaten in ihrer Entgiftungsaktivität unterstützt und gestärkt werden. Mehr Informationen finden Sie in den folgenden Texten: Warum Bitterstoffe gut sind, Was ist Kurkuma, Löwenzahn – Wunderkraut statt Unkraut.

Pflegen Sie Ihre Nieren

Die Nieren brauchen sehr viel Flüssigkeit, um als leistungsfähiges Ausleitungsorgan das Immunsystem zu unterstützen. Brennnesselsamen oder auch Brennnesseltee können – kurweise angewandt (z. B. Brennnesselsamen/-tee 2 Wochen lang einnehmen, dann 2 Wochen Pause, dann die Brennnesselpräparate erneut 2 Wochen lang einnehmen) – die Ausscheidungsfähigkeit der Nieren fördern. Trinken Sie ausserdem – je nach Ernährungsweise – täglich 2 bis 2,5 l reines kohlensäurefreies Wasser.

Zusätzlich zu einer angemessenen Ernährung, sportlicher Betätigung und der Unterstützung der Ausleitungsorgane verschaffen die unten aufgeführten Kräuter und Ergänzungsmittel Linderung, indem sie den Zellen Sauerstoff zuführen, Entzündungen mindern und schädliche freie Radikale neutralisieren.

Alpha-Liponsäure kann helfen

Die Alpha-Liponsäure ist ein kraftvolles Antioxidans, das bevorzugt zur Behandlung der diabetischen Polyneuropathie verwendet wird. Diese Säure (auch Thioctsäure genannt) ist eine schwefelhaltige Fettsäure, die auch für ihre entgiftende Wirkung bekannt ist. Sie bindet direkt in der Zelle Giftstoffe an sich und leitet diese aus dem Körper aus. Die vorgeschlagene Dosis beträgt 1200 bis 1800 mg, die z. B. dreimal über den Tag verteilt eingenommen wird. In den ersten 3 Wochen der Therapie – so wird oft empfohlen – sollte die Alpha-Liponsäure jedoch per Infusion verabreicht werden.

Nehmen Sie N-Acetylcystein zur Glutathion-Bildung

N-Acetylcystein ist ein Wirkstoff, der dem Körper jene Substanz zur Verfügung stellt, die er zur Bildung von Glutathion benötigt. Glutathion wiederum ist ein körpereigener Stoff, der zur Entgiftung eingesetzt wird und der ausserdem die Leber schützen kann, so dass N-Acetylcystein gerade dann hilfreich sein kann, wenn die bestehende Polyneuropathie auf eine Vergiftung zurückzuführen ist.

Magnesium

Magnesium beruhigt das Nervensystem. Die empfohlene Dosierung bei Polyneuropathie beträgt 800 mg, die in 2 Dosen pro Tag eingenommen werden sollte.

Vitamine B1, B6 und B12

Während ein Vitamin-B12-Mangel sehr oft bei Polyneuropathie-Patienten entdeckt wird, ist dies bei den Vitaminen B1 und B6 nicht so häufig und einheitlich der Fall ( 7 ). Dennoch sollten auch diese B-Vitamine bei der Therapie einer Polyneuropathie sicherheitshalber zum Einsatz kommen.

Denn manche Studien zeigten, dass ein Mangel an Vitamin B6 den neuropathischen Schmerz verstärken oder sogar verursachen kann. Vitamin B6 sollte jedoch nicht isoliert, sondern in Form des gesamten Vitamin-B-Komplexes eingenommen werden, wobei Vitamin-B6-Dosen von täglich 100 mg als hilfreich erachtet werden. Der "normale" Vitamin-B6-Bedarf wird mit etwa 2 mg täglich angegeben, so dass dieser mit der Dosis bei Polyneuropathie weit überschritten wird. Überdosen seien jedoch – so heisst es – erst ab 500 mg täglich zu befürchten.

Auch Vitamin B1 konnte in Studien zu einer Besserung der polyneuropathischen Schmerzen führen - und zwar bei der alkoholischen Polyneuropathie in Dosen von 320 mg pro Tag und nach vier Wochen in Dosen von 120 mg pro Tag bis einschliesslich der achten Woche ( 8 ). In einer Studie von 2005 erhielten die Teilnehmer, die alle an einer diabetischen Polyneuropathie litten, über drei Wochen hinweg viermal täglich je 100 mg Vitamin B1 und erlebten eine deutliche Besserung ihrer Beschwerden (im Vergleich auch zur Placebogruppe) ( 9 ).

Schon oben bei den möglichen Ursachen haben wir einen Vitamin-B12-Mangel aufgeführt. Details zum B12-Mangel lesen Sie im vorigen Link. Lassen Sie am besten Ihren aktuellen Vitamin-B12-Status überprüfen. Dazu eignet sich nicht die Messung von Vitamin B12, die von vielen Ärzten noch durchgeführt wird. Stattdessen wird der Holo-TC-Test gemacht, der nur das aktive B12 misst. Bei zu niedrigen Werten, nehmen Sie täglich 1000 µg Vitamin B12 ein oder lassen sich von Ihrem Arzt eine B12-Spritzenkur (von Medivitan) verschreiben (ein- bis zweimal wöchentlich eine Spritze über mind. 4 Wochen hinweg).

Mit einem hochdosierten B-Komplex können Sie die Vitamine B1 und B6 abdecken (z. B. * milgamma 300 mg, das 300 mg Vitamin B1 und 100 mg Vitamin B6 enthält). Das B12 sollten Sie zusätzlich separat nehmen, da es in Komplex-Präparaten meist nur in geringen Mengen enthalten ist, die möglicherweise nicht helfen, einen entsprechenden Mangel zeitnah zu beheben, z. B. diesen * Vitamin-B12-Komplex.

Vitamin D

Vitamin D gilt ebenso als eine wirksame Substanz für die Behandlung neuropathischer Symptome. Professor Shehab von der Kuwait University empfiehlt, bei bestehendem Diabetes entsprechende Vitamin-D-Supplemente einzunehmen, um die Entstehung einer Polyneuropathie zu verhindern. Um Krankheiten wie Polyneuropathie vorzubeugen, gehen Mediziner von täglichen Dosen zwischen 1.800 und 4.000 IE Vitamin D aus. ( 4, 5)

Chili – äusserlich

Laut einer im Jahr 2018 an der Mashhad University of Medical Sciences durchgeführten Studie können diverse Heilpflanzen wie der Kalmus, Estragon, Salbei oder auch Kurkuma bei Polyneuropathie äusserst hilfreich sein. ( 2)

Auch der Stoff Capsaicin, der in Chilis enthalten ist, kann US-Forschern zufolge bei der Schmerzbekämpfung gute Dienste erweisen. Äusserlich angewandte Capsaicin-Zubereitungen wie z. B. Salben oder Pflaster können Nervenschmerzen betäuben und dadurch lindern. Wichtig sei jedoch eine auf den Patienten individuell angepasste Dosierung bzw. Anwendungsdauer. Zur äußerlichen Anwendung gedachtes Capsaicin mit einer Dosis von 8 Prozent war am wirkungsvollsten. ( 6)

Helmkraut

Auch Helmkraut beruhigt das gesamte Nervensystem. Die empfohlene Dosierung beträgt 15 Tropfen einer Helmkraut-Tinktur. In einem Glas Wasser aufgelöst, sollte diese Menge 3- bis 6-mal am Tag eingenommen werden, oder dem Schmerz entsprechend je nach Bedarf.

Hier finden Sie Helmkraut in Tablettenform

Nachtkerzenöl

Die Einnahme von Nachtkerzenöl kann wirkungsvoll bei der Vorbeugung von Nervenschäden und möglicherweise bei milden Formen der diabetischen Polyneuropathie hilfreich sein. Nachtkerzenöl liefert die Gamma-Linolensäure, die ein wichtiger Baustoff der Nerven ist.

Hier finden Sie Nachtkerzenöl in Kapseln

Enzyme

Verdauungsenzyme sollen bei der Entfernung von Ablagerungen in den Blutgefässen helfen und so die Durchblutung der Extremitäten verbessern können. Sie sollten 2- bis 3-mal täglich auf leeren Magen eingenommen werden.

Hier finden Sie einen Enzymkomplex

Rizinusöl-Packungen

Die äusserliche Anwendung von Rizinusöl-Packungen kann bei manchen Menschen die Symptome der Polyneuropathie lindern. Wie Sie dabei vorgehen können, finden Sie hier unter dem Punkt: Die Anwendung einer Rizinusölpackung.

Es gibt Spezialkliniken der TCM für Polyneuropathie-Patienten

Des Weiteren werden von verschiedenen Spezial- bzw. Schmerz-Kliniken wie z. B. TCM-Kliniken (TCM = Traditionelle Chinesische Therapie) PNP-Therapien angeboten. Massagen, Biofeedback, Akupunktur und Entspannungstherapien haben ebenfalls in manchen Fällen positive Wirkungen gezeigt und können in eine ganzheitliche PNP-Therapie integriert werden

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Quellen
  1. (1) National Institute of Neurological Disorder and Stroke – NINDS Peripheral Neuropathy Information Page, Date last modified März 2019
  2. (2) Fatemeh Forouzanfar et al, Medicinal herbs in the treatment of neuropathic pain: a review, Iran J Basic Med Sci April 2018
  3. (3) Sheryl Huggins Salomon, The Health Benefits of Exercising With Neuropathy and How to Do It Safely, Every Day Health, Mai 2018
  4. (4) Shehab D et al, Does Vitamin D deficiency play a role in peripheral neuropathy in Type 2 diabetes?, Diabet Med, Jänner 2012
  5. (5) David S. H. Bell, Reversal of the Symptoms of Diabetic Neuropathy through Correction of Vitamin D Deficiency in a Type 1 Diabetic Patient, Case Reports in Endocrinology, Dezember 2012
  6. (6) John F. Peppin et al, Capsaicinoids in the treatment of neuropathic pain: a review, Ther Adv Neurol Disord, Januar 2014
  7. (7) Stein J, Geisel J, Obeid R. Association between neuropathy and B-vitamins: A systematic review and meta-analysis. Eur J Neurol. 2021 Jun;28(6):2054-2064. doi: 10.1111/ene.14786.
  8. (8) Woelk H, Lehrl S, Bitsch R, Köpcke W. Benfotiamine in treatment of alcoholic polyneuropathy: an 8-week randomized controlled study (BAP I Study). Alcohol Alcohol. 1998 Nov-Dec;33(6):631-8. doi: 10.1093/alcalc/33.6.631. 
  9. (9) Haupt E, Ledermann H, Köpcke W. Benfotiamine in the treatment of diabetic polyneuropathy--a three-week randomized, controlled pilot study (BEDIP study). Int J Clin Pharmacol Ther. 2005 Feb;43(2):71-7. doi: 10.5414/cpp43071.